Neue Aufgaben mit der Befreiung Österreichs 1945


Neue Aufgaben eröffneten sich für ihn mit der Befreiung Österreichs im Jahr 1945. Als Rektor der Universität Wien, als Berater der Provisorischen Staatsregierung sowie zunächst als Vizepräsident und bald darauf als Präsident des Verfassungsgerichtshofes war er führend am Wiederaufbau der Republik beteiligt. Er hatte das Vertrauen von Staatskanzler Karl Renner und war in allen politischen Lagern geachtet. Neben der Ausübung seiner Funktionen brachte er auch sein Lehrbuch des Staatsrechts in neuer Gestalt sowie kommentierte Ausgaben des Bundes- und Landesverfassungsrechts heraus. Die Begeisterung, für das "wieder erstandene Österreich" arbeiten zu können, stärkte seine Arbeitskraft.

Jüngst sind einige Publikationen erschienen, die das Wirken von Adamovich sen. nicht nur kritisch, sondern auch verzerrend darstellen; in einer davon findet sich die nachweislich falsche Behauptung, die Ausschaltung des Verfassungsgerichtshofes im Jahr 1933 sei "nicht ohne Zutun des Richters Adamovich" geschehen. Richtig ist - wie schon erwähnt -das genaue Gegenteil.

Dass Adamovich sen. - schon aufgrund seiner Herkunft - in der Ersten Republik dem konservativen Lager zuneigte, ist unbestritten. Dass er ein überzeugter und konsequenter Gegner der Nationalsozialisten war, ebenso. Weiters steht fest, dass er in der tragischen und dramatischen Zeit zwischen 1934 und 1938 das damalige System trotz seiner Kritik an den verfassungsrechtlichen Abläufen unterstützte. Es muss aber festgehalten werden, dass Adamovich sen. sich nach 1945 als von der damaligen Koalitionsregierung einmütig vorgeschlagener und vom Bundespräsidenten ernannter Präsident des Verfassungsgerichtshofes - aber auch als Universitätsprofessor - große Verdienste um den Wiederaufbau der österreichischen Verfassungsgerichtsbarkeit erworben hat.

In einem kurzen Artikel zu seinem 60. Geburtstag bezeichnete ihn die "Arbeiter-Zeitung" am 30. April 1950 als "Konservativen demokratischer Gesinnung", der sich wegen seines hervorragenden Wissens allgemeiner Wertschätzung erfreue.

Es gibt keinen Grund, das heute anders zu sehen. Kein Geringerer als Hans Kelsen nannte Adamovich sen. - der sein Wissen und seine Freude an exakter rechtswissenschaftlicher Tätigkeit auch an seinen Sohn Ludwig Adamovich jun. weitergegeben hat - einen "anständigen Menschen". Eine solche Äußerung hat ihren Wert und ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren.

Ludwig Adamovich sen. verdient unsere Hochachtung.

Zum Autor

Heinz

Fischer

Der österreichische Bundespräsident hat ebenfalls Rechtswissenschaft an der Universität Wien studiert und wurde 1961 zum Doktor promoviert.