Die rote Hochburg Wels scheint zu kippen, die FPÖ rückt dem Rathaus immer näher. - © Matthias Nagl
Die rote Hochburg Wels scheint zu kippen, die FPÖ rückt dem Rathaus immer näher. - © Matthias Nagl

Wels. Ein ganz kleines bisschen ist Wels so wie Wien. Es gibt eine Ringstraße und in unmittelbarer Nähe im Stadtzentrum eine Freiung. Oberösterreichs zweitgrößte Stadt ist seit jeher eine Hochburg der SPÖ. Wie in Wien hat auch in Wels die FPÖ für die Wahlen im Herbst ein Duell um das Bürgermeisteramt ausgerufen. Und auch Heinz-Christian Strache spielt im Welser Wahlkampf eine Rolle, wenn auch nur eine kleine.

Der FPÖ-Parteichef, der in diesem Jahr alle wahlkämpfenden Landesgruppen mit seiner Präsenz unterstützt, kam wie Landeschef Manfred Haimbuchner zum Wahlkampfauftakt Ende August nach Wels. Strache ist in Wels auch auf Plakaten präsent und lächelt von den Wahlkampf-Autos der FPÖ. Schließlich ist der Bürgermeistersessel in Wels für die FPÖ in Oberösterreich ein erklärtes Wahlziel. Diesen soll Andreas Rabl erkämpfen.

Und anders als in Wien werden der FPÖ dafür von allen Beobachtern gute Chancen eingeräumt. Schon bei der letzten Wahl 2009 schrumpfte der Abstand zwischen SPÖ und FPÖ, der zweitstärksten Partei in Wels, beträchtlich zusammen. Die SPÖ verlor von 54,6 Prozent auf 35,7 Prozent, die FPÖ gewann von 10,9 Prozent auf 29,2 Prozent. Diesmal will die FPÖ den Aufwärtstrend beibehalten und die Machtverhältnisse umkehren.

Was die Chancen für die FPÖ erhöht, ist die Tatsache, dass die SPÖ nicht mit einem Langzeit-Amtsinhaber ins Rennen geht. Der Welser Bürgermeister Peter Koits ist seit 1999 im Amt und geht nun in Pension. Vizebürgermeister Hermann Wimmer geht für die SPÖ erstmals ins Rennen, auch Andreas Rabl tritt erstmals für die FPÖ an. Dabei ist Wimmer als Nachfolgekandidat auch SPÖ-intern nicht unumstritten.

Bevor er einstimmig zum Bürgermeister-Kandidaten gekürt wurde, gab es interne Grabenkämpfe. Auch Oberösterreichs Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer galt als möglicher Kandidat, winkte aber von sich aus ab. Mit dem 62-jährigen Wimmer geht die SPÖ mit einem Übergangskandidaten ins Rennen. Er wird die Serie der Welser Langzeitbürgermeister - seit 1949 hatte die Stadt nur vier Bürgermeister - schon alleine wegen seines Alters nicht fortsetzen können.

Welser FPÖ traditionell stark


Dennoch wäre ein Erfolg der FPÖ eine Zäsur für Wels. Seit 1945 ist die SPÖ stärkste Partei im Gemeinderat der Stadt, nur viermal kam sie unter 50 Prozent. Die 35,7 Prozent 2009 waren mit Abstand das schwächste Ergebnis. Dennoch gibt es in der einstigen Arbeiterstadt seit jeher ein hohes Wählerpotenzial des dritten Lagers. Schon in der Zwischenkriegszeit kamen deutschnationale Parteien in Wels auf bis zu 30 Prozent. Die FPÖ kam mit ihrer Vorgängerorganisation VdU bereits 1949 beim ersten Antreten auf knapp 30 Prozent. Ein Ergebnis, das bis heute nicht mehr übertroffen wurde.