Breitenfurt. In der Wienerwaldgemeinde Breitenfurt im Bezirk Mödling leben derzeit neun Flüchtlinge in privaten Quartieren. Mitte November sollen in dem 6000-Einwohner-Ort Containerwohnungen auf einem Caritas-Grund bei einem Altenzentrum errichtet werden. 48 Menschen beziehen die neuen Schlafplätze. Die Hälfte des Wohnraums ist für minderjährige Flüchtlinge vorgesehen. Eine wichtige Maßnahme. Denn angesichts der immer kühleren Temperaturen drängt die Zeit. Knapp 3000 Flüchtlinge waren zuletzt noch immer in nicht winterfesten Quartieren untergebracht.

Am Freitag machte der Bund deswegen erstmals von seinem Durchgriffsrecht zur Quartiererrichtung Gebrauch. Konkret soll im Kärntner Althofen (Bezirk St. Veit) ein Containerdorf für 150 Menschen entstehen. In der Gemeinde Ossiach (Bezirk Feldkirchen) ist ein Verteilerzentrum geplant. Auch in der Gemeinde Steyregg (Bezirk Urfahr-Umgebung) in Oberösterreich werden Unterkünfte errichtet. Es liegen aber noch keine konkreten Pläne vor. 15 weitere Gemeinden sollen noch kontaktiert werden, heißt es aus dem Innenministerium.

"Sprung ins kalte Wasser"


Zurück nach Breitenfurt. Dort musste der Bund bisher nicht eingreifen. Bürgermeister Ernst Morgenbesser (ÖVP) sieht es als Selbstverständlichkeit an, einen Beitrag in dieser Flüchtlingskrise zu leisten. "48 Personen sind weniger als ein Prozent unserer Hauptwohnsitzer", sagt Morgenbesser. "Breitenfurt steht den neuen Mitbewohnern bisher positiv gegenüber. Wir werden das meistern."

Morgenbesser hofft nur, dass die Stimmung bis zur Besiedlung nicht kippt. Durch die Oberösterreich-Wahlen sei das Thema wieder hochgekocht: "Die Menschen sind besonders sensibilisiert." Für die Quartiersuche in Breitenfurt hat sich sogar eine eigene Privatinitiative gegründet. Das Wohn- und Integrationsnetzwerk (WIN) macht es sich zur Aufgabe, mit den Breitenfurtern zu sprechen, ihnen die Angst zu nehmen und die neuen Einwohner in den Alltag zu integrieren.

Vier der neun Flüchtlinge in Breitenfurt, drei Afghanen und einen Syrer, hat der Landwirt Nikolaus Krischke auf seinem Biobauernhof untergebracht. "Es ist nicht immer einfach, man hat mitunter Kommunikationsschwierigkeiten", sagt Krischke. Der Landwirt möchte auch nichts beschönigen. Momentan habe er das Gefühl, es gebe zwei Lager: die Helfenden, die von einem Teil der Bevölkerung verächtlich als "Gutmenschen" bezeichnet würden, und die anderen, die das linke Lager politisch rechtsaußen sieht, die besorgt fragen, wo all diese Menschen hin sollen.