Wien. Es birgt seit Jahren Konfliktpotenzial und gipfelte zuletzt in der Androhung einer bundesweiten Vertragskündigung vonseiten der Ärzte: Das Thema Primärversorgung hat einen weiteren Keil zwischen Ärztekammer (ÖÄK) und Hauptverband der Sozialversicherungsträger getrieben. Während die Ärzte dem geplanten, neuen Primärversorgungsgesetz kritisch gegenüberstehen und am Montag Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) in einem offenen Brief dazu aufforderten, "den Weg der Konfrontation zu verlassen", präsentierte der Hauptverband eine GfK-Studie. Demnach sprachen sich 93 Prozent der 2000 befragten Österreicher für das neue Gesetz aus.

Die Ärztekammer kam zu einem anderen Ergebnis


Dieses besagt, dass ein Team aus Ärzten, Pflegekräften und anderen Gesundheitsberufen in einem von einer externen Firma geführten Primärversorgungszentrum zu patientenfreundlichen Öffnungszeiten intensiv zusammenarbeitet. Die Angst der Ärzte basiert darauf, dass Gesamtverträge, wie sie in den bereits existierenden Gruppenpraxen üblich sind, durch prekäre Einzelverträge ersetzt werden sollen. Die Gruppenpraxen sind im Unterschied zu den Primärversorgungszentren GmbHs der beteiligten Ärzte.

Betrachtet man die GfK-Studie, scheinen nun die Patienten fast zur Gänze für diese neuen Zentren zu sein. Erst im Vormonat kam allerdings die ÖÄK bei einer von ihr erstellten Studie (500 Befragte) zu einem anderen Ergebnis. Demnach sind den Patienten die Nähe zum praktischen Arzt und ein Vertrauensverhältnis wichtig. Nur wenige wussten überhaupt, was ein Primärversorgungszentrum ist.

Das ist laut ÖÄK der Haken an der GfK-Umfrage. "Die Fragen sind irreleitend", heißt es, "denn man fragt etwas ab, als würde es das schon geben." Die ÖÄK stellt einen anderen Punkt der GfK-Umfrage in den Vordergrund: 70 Prozent gaben an, dass sich ihr Hausarzt genug Zeit für sie nimmt.