Das Hepatitis-C-Medikament ist ein Sonderfall, wie Jan Oliver Huber von der Pharmig sagt. Denn entwickelt wurde es von einer eher kleineren Pharmafirma, die dann um 11,5 Milliarden US-Dollar vom Gilead-Konzern gekauft wurde. "Bei so einem Preis muss man schon sehr überzeugt sein", sagt Huber. Deshalb ist der Preis für das Medikament so hoch, da Gilead diese Aquise refinanzieren muss, und zwar schnell bevor ein ähnliches Präparat auf den Markt kommt. Es mag ein singulärer Fall eines besonderen Medikaments sein, doch vielleicht ist es eben auch ein Präzedenzfall. Was, wenn es ein Mittel gibt, das einen bestimmten Krebs tatsächlich heilen kann? Was kann ein Pharmakonzern dann verlangen? Und gibt es eine ethische Grenze für den Preis?

Jeden Preis bezahlen


Wie man in Österreich generell mit innovativen Medikamenten umgeht, soll zwischen Pharmig und Hauptverband, aber auch mit Einbindung der Politik bis zum Sommer geklärt werden. Alle Medikamente, die Patienten in Österreich verschrieben bekommen und deren Kosten (exklusive Selbstbehalt) von den Krankenkassen übernommen werden, sind im sogenannten EKO, dem Erstattungskodex, aufgelistet, fast 7000 verschiedene Medikamente.

Mit der vereinbarten Verlängerung des Rahmenvertrages zur Begrenzung der Medikamentenkosten am Dienstag wurde auch die Weiterentwicklung des Erstattungskodex festgeschrieben. "Es geht darum, zu klären, in welche Richtung sich das Gesetz ändern wird", sagt Huber. "Die Regelungen sind seit 2004 in Kraft, seither hat sich die Welt weiterentwickelt." Schon bei der Schaffung des EKO war lange umstritten, wie diese innovativen Medikamente behandelt werden sollten. Zwar deklariert sich der Hauptverband weiterhin klar dafür, auch in Zukunft den Patienten die bestmögliche Therapie anzubieten. Wenn dies allerdings gesetzlich so festgeschrieben ist wie derzeit, muss dann auch jeder verlangte Preis bezahlt werden, wenn es einen maßgeblichen Nutzen für die Patienten gibt. Und das ist nicht gerade die beste Verhandlungsposition.