75,8 Prozent der Asylwerber in Österreich sind Männer, in ganz Europa kommen die männlichen Flüchtlinge auf 62 Prozent. - © WZ
75,8 Prozent der Asylwerber in Österreich sind Männer, in ganz Europa kommen die männlichen Flüchtlinge auf 62 Prozent. - © WZ

Wien. Die Flüchtlingsdebatte emotionalisiert und spaltet. Die Befürworter einer "Willkommenskultur" auf der einen Seite, die Besorgten oder gar Ablehnenden auf der anderen Seite. Wie tief der Graben durch die österreichische Gesellschaft ist, zeigte sich deutlich am Dienstagabend in der ORF-Sendung "Bürgerforum", wo sich neben den Vertretern der Oppositionsparteien auch die Regierungsspitze den Fragen aus beiden Lagern stellte. Die "Wiener Zeitung" hat einige der strittigsten Aussagen überprüft. Ein Faktencheck.

Es kommen fast nur Männer nach Österreich.
Diese Aussage stimmt zu einem guten Teil. Laut der Asylstatistik des Innenministeriums haben seit Anfang des Jahres 56.356 Menschen in Österreich einen Asylantrag gestellt. 75,8 Prozent davon sind Männer. Damit ist nur ein Viertel der Asylwerber in Österreich weiblich. Dieses Jahr haben auch 380 unbegleitete Kinder, die jünger als 14 Jahre sind, hier einen Asylantrag gestellt. Laut UNHCR sind zwei Drittel der Schutzsuchenden in Europa Männer, 22 Prozent sind Kinder und 16 Frauen.

Flüchtlingsroute und Zahlen zur Unterbringungsquote nach Bundesländern. - © WZ
Flüchtlingsroute und Zahlen zur Unterbringungsquote nach Bundesländern. - © WZ

Dass mehr Männer als Frauen kommen, hat verschiedene Gründe, wie das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR), Innenministerium und NGOs zu berichte wissen. Einerseits ist die Überfahrt nach Europa nicht ungefährlich für Flüchtlinge. Viele kommen in überfüllten Flüchtlingsbooten über die Ägäis. Die Männer wollen oft ihre Kinder und Frauen dieser gefährlichen Reise nicht aussetzen und wollen ihre Familien im Zuge der Familienzusammenführung sicher nach Europa zu bringen. Außerdem fliehen viele junge Männer vor dem Militärdienst. Sie wollen weder für Assad, noch für die Rebellen, den IS oder die Kurdenmiliz kämpfen.

80 Prozent der Flüchtlinge kommen nicht aus Kriegsgebieten.
Von den 56.356 Menschen, die heuer in Österreich einen Asylantrag gestellt haben, kamen laut Innenministerium 38.307 aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Das sind 68 Prozent aller Antragssteller. Sie kommen aus Regionen, in denen eindeutig Krieg herrscht. Diese Gruppe hat zwar eine höhere Chance einen positiven Asylbescheid zu bekommen, aber auch hier werden nicht alle bleiben können. Die Anerkennungsquote des BMI liegt heuer bei 40 Prozent.

Mit den Flüchtlingen kommen auch Terroristen.
Das kann so nicht bestätigt werden. Die Behörden würden allen Verdachtsfällen nachgehen, erklärt ein Sprecher des BMI auf Anfrage. Bisher habe sich allerdings kein Verdachtsfall erhärtet. Auch bei den bisher identifizierten Attentätern aus Paris handelte es sich großteils um in Frankreich geborene Männer, die sich von Europa aus radikalisiert und dem IS angeschlossen haben. Laut französischen Behörden ist der bei einem Attentäter von Paris gefundene syrische Pass möglicherweise gefälscht und wurde von den Terroristen bewusst am Anschlagsort hinterlassen.

Männliche Flüchtlinge weigern sich, Essen von Frauen anzunehmen.
Laut Innenministerium ist in den Quartieren der Bundesasylbetreuung kein Fall bekannt, wonach männliche Flüchtlinge Essen von Frauen verweigern, weil sie angeblich als "unrein" gelten. Auch der Leiter der Caritas Notquartiere sowie die Essensausgabe am Wiener Westbahnhof bestritten diese Aussage.

Die meisten Flüchtlinge ziehen durch.
Durch Österreich sind nach Angaben des Innenministeriums und des für den Transport zuständigen Bundesheers rund 550.000 Flüchtlinge durchgezogen, großteils in den letzten Monaten. Grob über das Jahr gerechnet bleibt also nur jeder zehnte Schutzsuchende hier.