Wien. (kle) Die Steuerreform 2016 wird Arbeitnehmern eine Entlastung von insgesamt fünf Milliarden Euro bringen. Jedem Lohn- und Einkommensteuerzahler wird somit mehr Geld im Säckel bleiben - und zwar um bis zu rund 2450 Euro pro Jahr. Das hat die Statistik Austria im Rahmen ihrer am Freitag präsentierten Lohnsteuerstatistik 2014 errechnet.

Die Abschaffung der kalten Progression, wie von Finanzminister Hans Jörg Schelling und den Gewerkschaften gefordert, käme den Staat indes teuer. Das würde rasch Milliarden kosten, warnte der Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, am Freitag vor Journalisten. Unter kalter Progression versteht man jene Steuermehrbelastung, die dann eintritt, wenn die Einkommensteuersätze nicht der Inflation (Preissteigerung) angepasst werden.

Wäre bei der letzten Steuerreform 2009 die Inflationsanpassung der Steuertarife beschlossen worden, hätte das im Jahr darauf zunächst 403 Millionen Euro gekostet, wie Pesendorfer vorrechnete. In der Folge wären die jährlichen Kosten bis 2013 aber schnell gestiegen: auf 2,2 Milliarden Euro.

"Das ist es, was ein Finanzminister wissen muss, wenn er über die Abschaffung der kalten Progression spricht: dass er in vier Jahren 2,2 Milliarden Euro woanders aufbringen muss", gab der Chef der Statistikbehörde zu bedenken. "Für den Finanzminister geht das auf jeden Fall nach hinten los."

Nur Einkommensmillionäre werden höher belastet


Mit der Steuerreform 2016 werden hierzulande sämtliche Nettoeinkommen steigen - sowohl im niedrigen als auch im oberen Bereich. Im untersten Bereich profitieren bis zu 2,5 Millionen Menschen von der höheren Negativsteuer (konkret mit durchschnittlich 67 Euro pro Kopf und Jahr). Darüber steigt die jährliche Entlastung auf bis zu 2449 Euro.

Einkommensmillionäre - in Österreich waren es zuletzt in Summe 358 - werden indes höher belastet. Sie zahlen in Zukunft im Durchschnitt 38.369 Euro mehr pro Jahr, und zwar wegen des befristet auf 55 Prozent angehobenen Spitzensteuersatzes ab einer Million Euro Steuer-Bemessungsgrundlage (Einkommen minus Sozialversicherung und Sonderzahlungen).

Doch jetzt zur Lohnsteuerstatistik für das vorige Jahr: 2014 waren in Österreich insgesamt 6,7 Millionen Menschen lohnsteuerpflichtig, davon 4,3 Millionen Arbeitnehmer und 2,4 Millionen Pensionisten. Auf sie entfielen Bruttobezüge in der Gesamthöhe von 177 Milliarden Euro. An Lohnsteuern führten sie 26,9 Milliarden Euro davon an den Fiskus ab. Detail am Rande: Mit einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Jahr davor stieg das Lohnsteueraufkommen deutlich dynamischer als die Bruttobezüge (plus 2,8 Prozent).

Was aus der aktuellen Statistik ebenfalls hervorgeht: 2,4 Millionen Personen (35,1 Prozent) zahlten 2014 gar keine Steuern für ihr Einkommen, weil dieses zu niedrig war. Daneben zahlten nur 2,8 Prozent der Lohnsteuerpflichtigen (186.000 Personen) den höchsten Grenzsteuersatz von 50 Prozent.

Gut die Hälfte der Frauen verdient unter 20.000 Euro


Außerdem sticht bei den nun vorgelegten Daten ins Auge, dass im Vorjahr 51 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer einen Bruttobezug von weniger als 20.000 Euro hatten. Der Grund für diesen hohen Anteil: Viele Frauen sind teilzeitbeschäftigt und/oder in Branchen tätig, die nur Billiglöhne zahlen. Demgegenüber lag bei den männlichen Arbeitnehmern der Anteil derer, die auf einen Bruttolohn von weniger als 20.000 Euro kamen, bei 31 Prozent.

Die Daten der Statistik Austria zeigen auch, wo in Österreich die höchsten Löhne gezahlt werden. Konzentriert sind die Spitzeneinkommen nach wie vor auf Wien und Umgebung. Betrachtet man nur ganzjährig vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, liegen neun der zehn Bezirke mit den höchsten Durchschnittseinkommen in Wien - allen voran die Innenstadt mit 54.659 Euro netto. Einziger Ausreißer unter den Top 10 ist Mödling (38.642 Euro) auf Rang sieben.

Die rote Laterne hat mit Rudolfsheim-Fünfhaus (26.936 Euro) ein Wiener Bezirk. An vorletzter Stelle liegt der Bezirk Südoststeiermark (27.069 Euro), knapp nach Hartberg-Fürstenfeld mit 27.496 Euro und Osttirol (Bezirk Lienz) mit 27.552 Euro.