Deutschkurse bereits während des Asylverfahrens, fordern Vertreter der sechs wichtigsten Hilfsorganisationen. - © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Deutschkurse bereits während des Asylverfahrens, fordern Vertreter der sechs wichtigsten Hilfsorganisationen. - © dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Wien. Die Bilder von tausenden Flüchtlingen, die auf die Einreise nach Österreich warten, sind vorerst von den Titelseiten verschwunden. Es ist bedeutend ruhiger geworden an Österreichs Südgrenze bei Spielfeld. Abgesehen von der Frage, wie die Flüchtlingsbewegung im kommenden Jahr weitergehen wird, stellen diejenigen, die die Herausforderung in den vergangenen Monaten gestemmt haben, nun vor allem eines ins Zentrum: Wie geht es weiter mit denjenigen, die bei uns bleiben werden? Wo sollen die Flüchtlinge wohnen und arbeiten?

Die sechs wichtigsten Hilfsorganisationen Österreichs präsentierten am Dienstag vor Journalisten gemeinsam ihre Vorschläge, wie die Herausforderung Integration zu meistern wäre - und übten heftige Kritik an den derzeitigen Zuständen bei der Flüchtlingsversorgung. Das Aufnahmesystem sei zusammengebrochen, Flüchtlinge würden in unzumutbaren Notquartieren untergebracht oder seien obdachlos, sind sich Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz, Samariterbund, Volkshilfe und Hilfswerk einig. Rund 7000 Flüchtlinge, die bereits in der Grundversorgung sein sollten, befänden sich noch immer in Notunterkünften. Bis zu 15.000 Plätze in der Grundversorgung würden bis Jahresende noch fehlen.

Deutschkurse beim AMS?


Einen "Masterplan" fordern die Hilfsorganisationen deshalb von der Regierung. Nicht nur was den akuten Quartiermangel angeht, sondern auch für anerkannte Flüchtlinge müsse dringend leistbarer Wohnraum geschaffen werden. In den Ballungszentren erschwingliche Wohnungen zu finden sei zudem schon für Österreicher schwierig, für Flüchtlinge müsse es deshalb spezielle Unterstützung bei der Wohnungssuche geben, meint Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter. Es gelte zudem dringend, ein mögliches Abgleiten der Flüchtlinge an den gesellschaftlichen Rand zu verhindern: "Menschen ohne Perspektive neigen eher dazu, sich zu radikaliseren", ist Wachter überzeugt. Zentraler erster Schritt sei deshalb der Spracherwerb. Bereits während des Asylverfahrens soll es deshalb flächendeckende Deutschkurse für Flüchtlinge geben. Es sei sinnlos, mit den Kursen zu warten, bis ein positiver Bescheid vorliege. Derzeit gibt es diese Möglichkeit nur für bereits Asylberechtigte.

Die Vermittlung von Grundkenntnissen der deutschen Sprache an Asylwerber werde zurzeit ehrenamtlichen Helfern überlassen. Die Hilfsorganisationen können sich deshalb vorstellen, dass das AMS künftig die Koordination des Kursangebots übernimmt. Bei dessen Chef Johannes Kopf rennen die NGOs mit der Forderung nach flächendeckenden Deutschkursen "offene Türen ein". Vom Vorschlag, das AMS solle eine zentrale Kompetenz bei den Deutschkursen bekommen, zeigt sich Kopf jedoch wenig begeistert. "In Vorarlberg und Salzburg gibt es bereits Kurse für Asylwerber. Wir verhandeln derzeit mit Innen-, Sozial- und Integrationsministerium, um hier eine Lösung zu finden", so Kopf zur "Wiener Zeitung". Die Kurse in Salzburg und Vorarlberg richten sich vor allem an jene Flüchtlinge, die aller Wahrscheinlichkeit nach Asyl oder subsidiären Schutz zugesprochen bekommen, also Syrer und Afghanen. Sie werden vom jeweiligen Bundesland und dem Integrationsfonds finanziert. Kopf ist zuversichtlich, dass dieses Modell bald österreichweit zur Anwendung kommen kann. Geht es nach ihm, soll das AMS auch weiterhin nur für Asylberechtigte Deutschkurse anbieten.