Bregenz. (wh) Die Vorarlberger ÖVP hat Dieter Egger hinauskomplimentiert - aus der Landesregierung -, und die Hohenemser Volkspartei hat dem FPÖ-Landesparteiobmann jetzt auch wieder die Chance für einen Neuanfang geschenkt, nämlich als künftiger Bürgermeister der Nibelungenstadt im unteren Rheintal. Egger ging überdeutlich als Sieger der zu wiederholenden Bürgermeisterwahl in der 15.000-Einwohner-Stadt hervor. Mit 55,75 Prozent der Stimmen blieb er überraschend deutlich vor Amtsinhaber Richard Amann (ÖVP), der umgehend seinen Abschied aus der Politik verkündete. Die Neuaustragung wurde vom Verfassungsgericht angeordnet, weil es bei der Ausgabe von Wahlkarten zu Unregelmäßigkeiten gekommen war.

In der Stichwahl des regulären Wahlgangs gelang es einer breiten schwarz-grün-roten Allianz noch, eine Mehrheit für Amann zu organisieren, am vergangenen Sonntag setzte sich dann Egger durch. Mit dazu beigetragen hat wohl auch, dass das politische Klima in der eigentlich schwarzen Stadt bereits seit Jahrzehnten vergiftet ist. So gesehen müsste sich eigentlich die FPÖ bei der ÖVP für die geleistete Grundlagenarbeit bedanken.

Landespolitisch interessant wird nun, wie es mit den Freiheitlichen im Land weitergeht. Mit dem 46-jährigen Egger verliert die FPÖ ihre zentrale Führungsfigur im Land. Zwar will der künftige Bürgermeister weiterhin im Landtag bleiben, doch muss sich die zweitstärkste Partei und stärkste Oppositionskraft im Land nun schleunigst auf die Suche nach einem neuen Landesobmann und einem neuen Klubchef machen. Am schnellsten bedarf es einer Lösung für den Landtagsklub. Hier wäre der Lustenauer Ernst Hagen (63) eine mögliche Übergangslösung, der womöglich auch das zerrüttete Verhältnis zur Landes-ÖVP wieder normalisieren könnte. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass Egger den Landesobmann doch noch eine Weile weiter gibt.

Seit sich Egger im Landtagswahlkampf 2009 mit dem Direktor des Jüdischen Museums der Stadt Hohenems, Hanno Loewy, schwerstens im Ton vergriff und anschließend von der Volkspartei aus der Landesregierung hinauskomplimentiert wurde, ist das Verhältnis angespannt. Seitdem fehlt es den Freiheitlichen an politischen Perspektiven im Land, zumal sich die ÖVP nach den Wahlen 2015 nun für die Grünen als Koalitionspartner entschieden hat. Für sich persönlich hat Egger nun einen Ausweg aus dieser Sackgasse gefunden, seine Partei hat das noch vor sich. Traditionellerweise pocht die Ländle-FPÖ dabei auf größtmögliche Autonomie von der Bundespartei. Wien ist aus Vorarlberger Perspektive weit weg, und auch die politischen Kulturen unterscheiden sich doch nachhaltig.

Am Sonntag musste außer in Hohenems auch die Stichwahl in Bludenz wiederholt werden. Hier gelang es dem Amtsinhaber und ÖVP-Kandidat Josef "Mandi" Katzenmayer den SPÖ-Herausforderer Mario Leiter auf Distanz zu halten Auch in der Alpenstadt war fahrlässiger Umgang mit Wahlkarten der Grund für die Wiederholung. "Knapp dran, aber jetzt wieder weit weg", lautete lapidar der Kommentar des SPÖ-Landeschefs Michael Ritsch.