Wien. Bei all den düsteren Szenarien, die angesichts der Fluchtproblematik dieser Tage gemalt werden, waren die Ergebnisse des Kompetenzchecks des Arbeitsmarktservices (AMS) eine überraschend positive Ausnahme. Wenn auch mit Fragezeichen. Denn es scheint möglich, dass bei den im Vorjahr angekommenen Flüchtlingen, deren Qualifikationen noch nicht erhoben wurden, die Ergebnisse anders, und zwar schlechter, ausfallen. Vor Krieg und Verfolgung fliehen in der Regel besser gebildete und einkommenstärkere Schichten früher.

Das zweite Fragezeichen betrifft die Sprache, denn ohne die ist (fast) alles nichts, wie auch Johannes Kopf, Vorstand des AMS, immer wieder betont. Generell gilt: Je höher die Kompetenz, desto wichtiger ist auch die Sprache, um auch entsprechend der Qualifikation arbeiten zu können. Und genau da zeigt sich ein Systemfehler im österreichischen Asylwesen. Denn in jenem Zeitraum, in dem Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen, also während des Verfahrens, haben sie bis auf eine Ausnahme keinen Anspruch auf Deutschkurse. Die Ausnahme betrifft unbegleitete Minderjährige.

Durch die hohe Anzahl der Asylanträge verzögert sich deren Abarbeitung beträchtlich. Laut Innenministerium beträgt die durchschnittliche Verfahrensdauer mittlerweile sechs Monate, wobei dies nur die erste Instanz betrifft. Wenn ein Verfahren in die zweite Instanz geht, dauert es weitere Monate. Während dieser Zeit dürfen Asylwerber nicht arbeiten. Eine Ausnahme gibt es für Saisonarbeit. In der Praxis hat sich dies aber kaum bewährt. Die vom Sozialministerium festgelegten Quoten für Saisonarbeit werden nicht ausgeschöpft, da es Probleme gibt, wenn die Saisonarbeit endet. Dann müssen nämlich die Asylwerber wieder in die Grundversorgung aufgenommen werden, die von den Bundesländern bereitzustellen ist. Der Übergang funktioniert oft nicht.

Eine Öffnung des Arbeitsmarktes nach einer bestimmten Wartezeit - im Gespräch waren sechs Monate -, ist wegen der angespannten Situation kein Thema. Für das AMS ist es ohnehin schwer genug, Asylberechtigte zu vermitteln. Dennoch stellt sich die Frage, wie die immer länger werdende Wartezeit während des Verfahrens so genützt werden kann, dass es allen hilft, den Asylwerbern sowie Gesellschaft und öffentlicher Hand.

Zivilgesellschaft springt ein


Der Präsident des Gemeindebundes, Helmut Mödlhammer, sagt: "Wir müssen schauen, dass die Flüchtlinge ab dem ersten Tag Deutsch lernen." Tatsächlich wird das auch von den Flüchtlingen nachgefragt, das Angebot kommt aber mit dem Bedarf bei Weitem nicht mit. Es gibt zwar kostenpflichtige Kurse, doch mit dem Taschengeld von 40 Euro pro Monat ist das für Asylwerber kaum zu bezahlen. Deutschkurse sind erst ab einem positiven Asylbescheid vorgesehen, wenn die Flüchtlinge auch offiziell arbeiten können. In der Regel muss dann aber erst die Sprache erlernt werden. Das bedingt in weiterer Konsequenz, dass die Flüchtlinge länger Mindestsicherung beziehen müssen, ehe sie tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar sind.