Und wie sieht die Realität aus?

Man muss realistisch sein. Die Wiederkehrerraten sind hoch. Wir versuchen ständig, unsere Standards den Gegebenheiten der Gesellschaft anzupassen. Wir haben zusätzlich 100 Personen im Justizwachebereich und 100 im Betreuungsbereich bekommen - ein Plus von knapp fünf Prozent. Aber natürlich kann man immer sagen, dass wir mehr Personal benötigen. Aber es gibt auch budgetäre Realitäten.

Beim Maßnahmenvollzug gibt es bereits sehr konkrete Reformvorschläge. Allerdings bisher eher nur auf Papier. Was ist bereits passiert, was wird noch passieren?

Wir haben gut 800 Insassen im Maßnahmenvollzug. Eine Arbeitsgruppe hat etwa 100 Vorschläge erstattet, die wir Schritt für Schritt umsetzen. Wir investieren da recht viel. Wobei man trennen muss: Es gibt die Gruppe der Unzurechnungsfähigen, die zum Teil in psychiatrischen Einrichtungen betreut werden und in den Therapeutischen Zentren in Asten und Göllersdorf. Dieser Bereich funktioniert großteils recht gut. Die zweite Gruppe sind die zurechnungsfähigen, geistig abnormen Straftäter, die auch in den großen Anstalten, etwa in der Karlau oder in Stein untergebracht sind. Hier gab es in der Vergangenheit auch die größten Probleme. Die Arbeitsgruppe hat unter anderem eine vollständige Trennung von Strafgefangenen und Maßnahmeninsassen vorgeschlagen. Das wollen wir auch umsetzen, bedingt aber auch Um- und Neubauten. Bis zur Fertigstellung werden wir in den Anstalten eine organisatorische Trennung vornehmen in eigenen Departments, mit eigenem, speziell geschulten Personal, besserem Betreuungsschlüssel und einheitlichen Standards.

Die Ansprüche an den Strafvollzug, eben auch aufgrund diverser Missstände, steigen. Kommt die budgetäre Realität mit diesen gestiegenen Ansprüchen mit?

Natürlich könnte man mit mehr Mitteln auch mehr machen. Aber was notwendig ist, um die Reformen umzusetzen, wird uns zur Verfügung gestellt. Uns kostet ein Häftling etwa 110 Euro pro Tag, Schweden gibt das Dreifache aus. Natürlich könnten wir derartiges fordern und damit entsprechend mehr umsetzen. Das hat aber eine gesellschaftspolitische Komponente: Letztlich muss der Steuerzahler das mittragen. Dieser hat mehr Verständnis für Mehrausgaben im Bereich Schulwesen oder Polizei als für den Strafvollzug. Wie Sie wissen, werden dann medial Fotos von den angeblichen "Luxuszellen" für Einbrecherbanden verbreitet. Mehrinvestitionen in den Strafvollzug kämen aber allen zugute, da man auch vermehrt Resozialisierungsmaßnahmen setzen und so eine neuerliche Straffälligkeit besser verhindern könnte.

Wir sind natürlich gefordert, weil sich in Österreich viele Gefängnisse in jahrhundertealten ehemaligen Schlössern oder Klöstern befinden. Es ist notwendig, diese zu renovieren oder durch Neubauten zu ersetzen wie in Salzburg. Wenn man sich den Vollzug in dieser neuen Anstalt ansieht, dann hat das eine ganz andere Qualität. Resozialisierung gelingt leichter in einem Umfeld, in dem es bessere Unterbringungsmöglichkeiten, bessere Ausbildungsmöglichkeiten und bessere Arbeitsstätten gibt.