Wien. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" warnt vor den humanitären Folgen der von der Regierung angekündigten Asylwerber-Obergrenze. Franz Luef, Migrationsexperte von Ärzte ohne Grenzen Österreich, befürchtet, dass die Flüchtlinge damit wieder in die Hände von Schleppern getrieben werden. An die von der Regierung erhoffte abschreckende Wirkung glaubt er nicht.

Die Politik müsse sich "der humanitären Konsequenzen dieser Entscheidungen bewusst sein", fordert Luef: "Das wird nur dazu führen, dass alle Menschen auf der Flucht noch mehr Risiken ausgesetzt sind und noch mehr in die Hände von Schleppern gedrängt werden."

In einem erst diese Woche veröffentlichten Bericht hatte "Ärzte ohne Grenzen" legale Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge nach Europa gefordert und kritisiert, dass die restriktive Politik der EU-Staaten die Lage der Flüchtlinge noch zusätzlich verschlimmere - allem voran die gefährliche Überfahrt über die Ägäis, aber auch Gewalt entlang der "Balkan-Route". Migrationsexperte Luef zeigt sich daher enttäuscht, dass Österreich nun zusätzliche Restriktionen plant.

Er zweifelt auch an der Wirksamkeit der "Obergrenze": "So lange in den Herkunftsländern Krieg, Vertreibung und Unterdrückung herrschen, werden sich die Menschen auf den Weg machen und sich nicht von diesen restriktiven Entscheidungen abhalten lassen." Die mangelnde Solidarität zwischen den EU-Staaten dürfe nicht "auf dem Rücken der Menschen auf der Flucht ausgetragen" werden.