Markt Hartmannsdorf. Anfangs war Erwin Eggenreich skeptisch. Als der Initiator des Vereins "Way of Hope" im Sommer 2014 an den Bürgermeister von Weiz herangetreten war, wäre es ihm nicht unrecht gewesen, wenn dieser Kelch an ihm vorübergegangen wäre. Aber "Way of Hope" hat es geschafft, Eggenreich zu überreden: Im November kamen die ersten 40 Asylwerber in die steirische 11.500 Einwohner Gemeinde - junge Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Damals gab es noch keine FPÖ im Gemeinderat, die damals dort vertretenen Parteien riefen gemeinsam die Initiative "Weiz hilft" ins Leben. Natürlich sei die Skepsis in seiner Gemeinde anfangs groß gewesen, erzählt Eggenreich. Die Arbeit der kirchlichen NGO "Way of Hope" sei in der Gemeinde aber auf breite Unterstützung gestoßen. Reine Nächstenliebe sei es jedoch nicht gewesen, warum sich Eggenreich zur Aufnahme der Asylsuchenden entschlossen hat: "Ich wollte hier aktiv vorangehen, und nicht warten, bis mir von oben herab etwas aufgezwungen wird."

Eggenreich ist einer von fünf Bürgermeistern von Flüchtlingsgemeinden, die von Flüchtlingskoordinator Christian Konrad, dem Gemeindebund und dem Forum Alpbach am Freitag ins steirische Markt Hartmannsdorf eingeladen wurden, um ihre Erfahrungen mit Vertretern aus interessierten Gemeinden zu teilen.

Breites Interesse
an Vernetzung

Es ist dies bereits das zweite von drei Vernetzungstreffen unter dem Motto "Wege aus der Asylkrise". Anwesend sind auch Experten zum Thema Unterbringung, Zusammenleben und Betreuung, sowie zahlreiche Vertreter von Hilfsorganisationen und privaten Vereinen, die ihren Erfahrungsschatz teilen. Die Initiative stößt auf breites Interesse: Vertreter von 70 Gemeinden hatten sich angekündigt, gekommen sind mehr als hundert.

In kleinen Gesprächsrunden erzählen die Bürgermeister, wie sie es erfolgreich geschafft haben, Flüchtlinge in ihren Gemeinden unterzubringen, Widerstände zu überwinden, Sorgen zu beseitigen und die Bürger dazu zu bringen, sich gemeinsam der Herausforderung zu stellen. "Die ersten Wohnungen für die Flüchtlinge hat ,Way of Hope‘ organisiert, als weitere kamen, wurde unsere Siedlungsgenossenschaft aktiv", sagt der Weizer Bürgermeister. Das sei deshalb so wichtig, weil es immer wieder Leute gebe, die mit der Unterbringung von Asylsuchenden Geld verdienen möchten - mit negativen Folgen für das Klima im Ort und auch unter den Flüchtlingen. Derzeit sind 70 Asylwerber in Weiz untergebracht, 40 weitere sollen noch folgen. Ein Verein von Freiwilligen gibt den Flüchtlingen Deutschunterricht, Kurse werden auch von der Stadt finanziert.

"Sie sind Gäste
bei uns"

Die Bürger der anderen Gemeinden - zu diesem Treffen kommen sie aus der Steiermark, dem Burgenland und Kärnten - haben vor allem zwei Sorgen: Wie schaffe ich es, meine Bürger zu überzeugen und Probleme hintanzuhalten, und wie finanziere ich die Unterbringung? "Ihr könnt mir glauben: Mit den 19, bald 21 Euro pro Tag und Flüchtling geht sich das locker aus", erklärt Eggenreich.

Was das Zusammenleben angeht, hat der Steirer eine eigene Strategie entwickelt: "Ich bin von Anfang an zu meinen Bürgern gegangen und habe ihnen gesagt, dass unsere Lebensweise und vor allem unsere Grundwerte nicht verhandelbar sind - und dass ich das auch den Flüchtlingen klarmachen werde: Sie sind Gäste bei uns." Der Bürgermeister hat nach Gesprächen im Ort einen "Willkommensbrief" für die Flüchtlinge geschrieben und ihn auf Englisch, Farsi und Arabisch übersetzen lassen.

Natürlich habe es zu Beginn Probleme gegeben, etwa wegen häuslicher Gewalt oder, bei Jüngeren, wegen Drogen. Das alles sei aber längst kein Thema mehr. Viel mehr Sorgen machen dem Weizer Bürgermeister die "Hasskampagnen" auf Facebook und in anderen sozialen Medien. Diese hätten während der Massenbewegungen im Sommer stark zugenommen, "und seit den Vorfällen zu Silvester in Köln ist es besonders schlimm geworden". Die "Gerüchteküche" sei das größte Problem für das Klima in seiner Gemeinde. Dem könne man nur auf einem Weg entgegenwirken: "Wir müssen die Flüchtlinge fordern - und fördern!"