Wien. "Meine Damen und Herren, bitte erheben sie sich! Begrüßen sie mit mir: den neuen Bundespräsidenten der Republik Österreich, Richard Lugner!" Im Stile des US-Wahlkampfs inklusive bombastischer Musikbegleitung marschiert der Wiener Baumeister am Donnerstag in seinem eigenen Einkaufszentrum im 15. Gemeindebezirk vor Journalisten auf, nimmt vor einer Leinwand Platz, auf der er selbst als Kasperl und diverse Fabelwesen mit den Gesichtern seiner Konkurrenten zu sehen sind, und beginnt den Versammelten zu erklären, wieso Österreich ihn als Bundespräsidenten dringend braucht. Er werde sicherlich keine neue rot-schwarze Regierung "installieren", wenn die FPÖ bald Erster ist, und die Tendenz zeichne sich ja schon in den Umfragen ab. Die amtierende Regierung wolle er "bei den Ohren packen", damit Österreich "wieder an die Front" komme. Die Österreicher hätten den rot-schwarzen Stillstand satt (wobei SPÖ und ÖVP anzurechnen wäre, dass sie in der Nachkriegszeit den Kommunismus in Österreich verhindert haben), den Gürtel müsse man sowieso enger schnallen, das Sozialnetz sei genauso überflüssig wie die Väterkarenz (schlecht für mittelständische Unternehmen wie sein eigenes). Er sei der einzige Kandidat, der keinen bezahlten Posten von der Politik erhalten hat, er werde ein "Bundespräsident aus der Wirtschaft" sein. Auf den bekannten Politologen und TV-Erklärer Peter Filzmaier ("Politfilzmaier") hat sich Lugner besonders eingeschossen: Zu Unrecht würde dieser behaupten, er, Lugner, habe von nichts eine Ahnung.

Bruno wer?


Die Kampagne in den sozialen Netzwerken würde seine Frau übernehmen, die ansonsten nur bei Staatsbesuchen dabei sein müsste. Diese betonte, keine politischen Vorbilder neben ihrem Mann zu haben. Ob sie denn zumindest wisse, wer Bruno Kreisky war? "Schau", lässt sich Cathy Lugner das vertrauliche Du-Wort gegenüber den Journalisten nicht nehmen, "ich sitze nicht hier, um über die Schule ausgefragt zu werden!" Sie wachse da schon hinein, es gehe jetzt ums Programm, ob man das nicht verstehe? Er habe in zahlreichen Fernsehserien mitgemacht, betonte Lugner, und "a bissl schauspielern" müsse auch der Bundespräsident.

Das habe ja auch der ehemalige Filmstar und Ex-US-Präsident Ronald Reagan gezeigt. Die Anwesenden quittieren Lugners Bemühen, sich inhaltlich zu positionieren, bisweilen mit Gelächter - was Gattin Cathy zusehends verärgert. Es gehe ja, wie gesagt, um das Programm, und "wenn ihr keinen Bock darauf habt, weiß ich nicht, warum ihr hier sitzt". Lugner-Mitarbeiter könnten wie schon bei seinem letzten Antritt 1998 die Bürger zur Unterschrift in die Magistratsbehörden locken, die 6000 Unterstützungserklärungen wären leicht zu organisieren. Er hoffe, dass er es in die Stichwahl schafft.

Und dann? Der Kasperl habe noch immer den Drachen erledigt, und wer’s nicht glaubt, der könne sich gerne jeden Dienstag bei der Puppentheater-Vorstellung in der Lugner-City überzeugen. Überhaupt solle man das alles ein wenig mit Humor nehmen, beendet Lugner gut gelaunt seine Wahlkampfauftakt-Show. "Die Fragen waren zum Teil lächerlich", resümierte seine Gattin.