Wien. Die heimischen Krankenkassen haben 2015 ein Defizit von 21,5 Millionen Euro eingefahren. Der Abgang ist damit deutlich geringer als ursprünglich erwartet - zu Jahresbeginn hatte man noch mit einem Minus von 129 Millionen gerechnet. Im Voranschlag für heuer wird ein höheres Defizit von 94 Millionen Euro prognostiziert. Das Jahr 2014 hatten die Krankenkassen noch mit einem Plus von 88 Millionen Euro abgeschlossen.

Nach dem am Montag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger veröffentlichten vorläufigen Gebarungsergebnis haben im Vorjahr von den neun Gebietskrankenkassen nur zwei positiv abgeschlossen: Jene in Kärnten machte ein Plus von 5,6 Millionen Euro und jene in Salzburg eines von 3,3 Millionen. Mit den Gebietskrankenkassen im Burgenland und der Steiermark schafften zwei weitere ein ausgeglichenes Ergebnis, die fünf anderen verzeichneten ein Minus - das größte die Wiener mit 45,6 Millionen Euro. Unter den Berufskrankenkassen machte nur jene der öffentlich Bediensteten mit 19,3 Millionen Euro ein Defizit.

Wirtschaftskammer
schlägt Alarm


Indes warnt die Wirtschaftskammer vor steigenden Verlusten der Krankenkassen. Für 2017 sieht sie bereits ein Minus von 234 Millionen Euro, für 2018 eines von 425 Millionen. "Die Arbeitsmarktsituation ist angespannt, die Beitragseinnahmen werden nicht mehr in derselben Höhe wie in der Vergangenheit ausfallen", betont Martin Gleitsmann, Leiter der WKO-Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit. "Daher gilt es, die Ausgaben in den Griff zu bekommen." Gleitsmann fordert ein Gesamtkonzept zur Konsolidierung der Kassen, in dem auch Kostendämpfungen und Einsparungen in anderen Ausgabenbereichen als dem bereits angegangenen Pharmabereich vorgenommen werden.

Die Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, fordert indes: "Geld muss Leistung folgen. Wir brauchen eine faire Verteilung der Mittel zwischen Bund, Ländern und der Sozialversicherung." Die laufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich müssten diese Leistungsverlagerung entsprechend berücksichtigen.

Dass der Abgang der Krankenkassen 2015 weniger deutlich als im Voranschlag vorhergesagt ausgefallen ist, geht unter anderem auf die Medikamenten-Kosten zurück. Hier hatte man ursprünglich ein höheres Kostenplus von 6,6 Prozent erwartet, tatsächlich wurden es nun 5,4 Prozent. Für heuer erwartet der Hauptverband ein weiteres Einbremsen bei der Steigerung der Medikamentenkosten auf 4,9 Prozent.