Wien. Autor Ibrahim Amir hat Verständnis für die Absetzung der Uraufführung seines Stückes "Homohalal" am Volkstheater Wien. Das Stück des syrischen Kurden hätte am 22. April Premiere gefeiert. In einem Kommentar in der Wiener Wochenzeitung "Falter" schreibt er, er verstehe die Bedenken des Volkstheaters, das Stück zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu zeigen. In der "Flüchtlingskrise" "erleben wir derzeit eine Art generalisierte Hysterie auf allen Ebenen. Jeder Vorfall, der auch nur ein bisschen mit Fremden zu tun hat, wird sofort gegen oder für die schutzsuchenden Menschen instrumentalisiert, so Amir.

"Stück könnte falsch rüberkommen"

Man habe ihm mitgeteilt, "dass der Text, der vor zwei Jahren entstanden ist, an die jetzige politische Situation angepasst werden müsste. Seit den Votivpark-Protesten sei sehr viel passiert und wir hätten nicht genügend Zeit bis zur Premiere, um den Text zu aktualisieren. Man hat befürchtet, dass das Stück heute unpassend sein und falsch rüberkommen könnte."

"Homohalal" sei ein in einem Workshop entwickeltes "selbstkritisches Stück, in dem wir versucht haben, uns die Zukunft in 20 Jahren vorzustellen". Dabei verwandle sich eine Utopie zunehmend in eine Dystopie: "Die Flüchtlinge und Aktivisten von damals sind inzwischen fremdenfeindlich, sexistisch, homophob und konservativ geworden. (...) Zum Schluss wird klar, dass sich die Welt nicht verändert hat, im Gegenteil, sie ist noch schlimmer geworden."

Bitterböse Darstellung für Amir wichtig

Er werde es sich "zu keiner Zeit und an keinem Ort nehmen lassen, Themen, die mir wichtig sind, auf meine bitterböse Art darzustellen", wolle das Stück aber "derzeit nicht aus der Hand geben, weil mein Verlag derzeit mit anderen Häusern über eine Aufführung verhandelt. Da sich das Stück noch im Arbeitsprozess befindet, wäre eine Veröffentlichung verfrüht."