Eine Hauptstadt ohne
echtes Wahrzeichen?

Um sich speziell als Landeshauptstadt zu positionieren, fehlt dem Soziologen Roland Girtler aber noch immer etwas. Und zwar ein Wahrzeichen, ein Symbol. "Wien hat den Stephansdom, Graz den Uhrturm. In St. Pölten ist das nicht gelungen", sagt er zur "Wiener Zeitung". Der Mensch sei aber "ein Wesen, das Symbole braucht". Keines zu haben, macht laut Girtler die Bewohner unglücklich. Freilich habe man nachträglich versucht, Symbole zu schaffen. Mehrmals. Aber jedes Mal ohne Erfolg. Der 77 Meter hohe Klangturm von Architekt Ernst Hoffmann im Landhausviertel zum Beispiel, nach dem Dom das zweithöchste Gebäude der Stadt, wurde 1996 errichtet. Im Turm befinden sich drei große Kugeln, die als sogenannte Hörzonen fungieren. Oder das Landtagsschiff selbst, das Landtags- und Regierungsgebäude. "Das Viertel ist aber tot, es sind kaum Menschen geschweige denn Touristen dort", sagt Girtler. St. Pölten gelte noch immer als langweilige Stadt, und auch darunter litten die Bewohner.

St. Pölten werde noch immer unterschätzt, kontert Stadler. Allein an einem Tag fänden mehr als 40 Veranstaltungen in der Stadt statt. Und was das fehlende Symbol betrifft: "Unser traditionelles Wahrzeichen ist das barocke Rathaus. Seit mehr als 500 Jahren steht es auf dem Rathausplatz." Neben dem Barock präge der Jugendstil zahlreiche Gebäude.

Stadler ist derzeit jedenfalls in mehrerlei Hinsicht gefordert, muss er sich doch auf eine weitere Wahl vorbereiten - wenn auch einer anderer Art. Am 17. April wählen die St. Pöltner ihren Gemeinderat. Die Zukunft und Positionierung der jungen Hauptstadt wird aber auch dabei Thema sein.