Wien. (wh) Als "Unterwerfung" interpretiert der Politikberater Thomas Hofer die Summe der Wahlergebnisse des Superwahljahrs 2015: Die thematische Selbstaufgabe von SPÖ und ÖVP habe der blauen Agenda Tor und Tür geöffnet und so seinen Teil zur Umfärbung der politischen Landkarte beigetragen. Dass nun Rot-Blau im Burgenland und Schwarz-Blau in Oberösterreich regieren, ist so gesehen fast schon wieder logisch. Die Neuauflagen von Rot-Grün in Wien und Rot-Schwarz in der Steiermark - Letzteres mit einem ÖVP-Landeshauptmann - zeigten zudem wenig Mut zu einem Neubeginn.

Die Aufarbeitung der Landtagswahlen ist nur einer der Schwerpunkte des Jahrbuchs für Politik 2015. Weitere Themen sind die nach wie vor umstrittene Bildungsreform (mit einem lesenswerten Beitrag der Volksschullehrerin Barbara Zuliani, die eine iPad-Klasse leitet), Plädoyers für ein Maßnahmenpaket für den Wirtschaftsstandort (von Flughafenvorstand und Co-Herausgeber Günther Ofner sowie Ex-Bank-Austria-Chef Willibald Cernko), die geplanten Häusern zur Geschichte und Zukunft Österreichs und - natürlich - die Flüchtlingskrise, die Europa bis heute in Atem hält. Dieser sind allein 14 Beiträge von Regierungsmitgliedern, Oppositionsvertretern, Experten und NGO-Vertretern gewidmet. Eine gemeinsame Problemsicht, geschweige denn konsensuale Lösungsvorschläge, finden sich darin allerdings nicht.

"Österreichisches Jahrbuch für Politik 2015", hg. von Khol, Ofner, Karner, Halper; Böhlau Verlag, Wien 2016; 616 Seiten.