Derzeit funktioniert der Start ins neue Leben andersrum: erst die Wohnung, dann die Arbeit. Und das ist in Städten deutlich einfacher, da durch öffentliche Verkehrsmittel mehr Arbeitsstellen in kurzer Zeit erreichbar sind.

Es ist daher unklar, ob bei der Frage nach der praktischen Umsetzung einer Residenzpflicht das herauskommt, was man bezwecken will. Wien könnte zwar entlastet werden, doch um welchen Preis? Denn eine Wohnsitzauflage könnte dazu führen, dass die zwei einander bedingenden Grundprobleme für Flüchtlinge, nämlich Arbeit und Wohnung zu finden, erschwert werden. Womit Asylberechtigte länger in der Mindestsicherung zu bleiben drohen.

Und das ist auch Teil der Verhandlungen über eine Reform dieser Sozialleistung: Nicht nur eine bessere Lastenaufteilung zu erreichen, sondern auch insgesamt die Zeit in der Mindestsicherung so kurz wie möglich und die Ausgaben so gering wie nötig zu halten.

"Man muss die Attraktivität anderer regionaler Zentren erhöhen", sagt Knapp. Es mangelt jedoch dafür an Vorzeigemodellen, wie man das Potenzial der Flüchtlinge für Abwanderungsregionen nutzen kann. Beispielsweise gibt es längst viele Orte, in denen es, vom Schuster bis zum Tischler, keine Handwerksbetriebe mehr gibt. Es wäre ein möglicher Ansatz, wie man Wohn- und Arbeitsangebot für Flüchtlinge unter einen Hut bringen könnte.