Wien. Zum ersten Mal liegen in allen Bundesländern Zahlen vor, die zeigen, welchen Bildungsweg Absolventinnen und Absolventen der Neuen Mittelschule (NMS) zwei Jahre nach ihrem Abschluss eingeschlagen haben. Über diese Zahlen ist man im Bildungsministerium erfreut, denn sie lassen erkennen: Die NMS erhöht die Chancen, im Anschluss auf eine höhere Schule zu kommen.

"Von 100 Kindern des Abschlussjahrganges 2010/2011, als die Klassen noch als Hauptschulen geführt wurden, sind 36 Kinder in eine höhere Schule übergetreten", sagt Regina Radinger am Montag bei der Präsentation "Bildung in Zahlen 2014/2015" bei der Statistik Austria. "Von 100 Kindern aus dem Abschlussjahrgang 2012/2013 der NMS-Klassen derselben Schule konnten jedoch 46 in höhere Schulen übertreten."

Anteilsmäßig sind die Chancen, es auch in die nächste Klasse zu schaffen, in der NMS aber wieder etwas geringer: Von den zehn zusätzlich übergetretenen Kindern sind im zweiten Jahr der höheren Schule nur noch sechs auf dem Weg zur Matura.

"Hauptschulen und NMS unterscheiden sich in der Leistungsbeurteilung. In den NMS gibt es ein siebenstufiges Notensystem, dementsprechend gibt es bei den Aufnahmebestimmungen an höheren Schulen unterschiedliche Regelungen", sagt Radinger. Inwieweit dies Einfluss auf den Übertritt in eine höhere Schule habe, müsse im Rahmen weiterer Studien untersucht werden. Möglicherweise sei früher nur die "Elite" der Hauptschulen an höheren Schulen gelandet und so der Umstieg im Verhältnis besser gelungen, so die Studienautorin.

Ein entscheidender Faktor, was den Übertritt in eine höhere Schule betrifft, ist auch der Standort der Schule. So gibt es in manchen Hauptschulen Jahrgänge, in denen kein einziger Schüler auf eine höhere Schule weitergeht, an anderen Hauptschulen sind es hingegen 90 Prozent.

Aufstieg ist in ländlichen Gebieten leichter

Kinder, die eine NMS in ländlichen Gebieten wie etwa dem Waldviertel besuchen, haben eine deutlich größere Chance, es in die nächste Klasse der höheren Schule zu schaffen (78,8 Prozent), als Kinder in dicht besiedelten Gebieten wie Wien oder anderen Landeshauptstädten (63,7 Prozent). In dünn besiedelten Gebieten steigen auch Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache zu 72,3 Prozent in die nächste Klasse der höheren Schule auf, in dicht besiedelten Gebieten sind es hingegen nur 53,1 Prozent.

"Insgesamt ist die Entwicklung in der NMS ein richtiger Schritt. Das eigentliche Ziel muss aber die Gesamtschule sein. Denn es ist viel schwieriger, die Grenzen von Institutionen zu überwinden, als sich innerhalb einer Institution zu verbessern", sagt Mario Steiner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Die Vererbung von Bildung ist in Österreich noch immer sehr stark ausgeprägt."

Das belegen auch die aktuellen Zahlen: Nur 6,8 Prozent der 25- bis 44-Jährigen, deren Eltern nur die Pflichtschule abgeschlossen haben, absolvieren ein Studium. Unter Kindern aus Akademikerhaushalten sind es hingegen 47,6 Prozent, die selbst Akademiker werden. Insgesamt ist die Zahl der Uni-Absolventen jedoch stark gestiegen. Im Jahr 1981 hatten nur 4,5 Prozent der Bevölkerung einen Hochschulabschluss. 2013 waren es mehr als drei Mal so viele, nämlich 15,7 Prozent.

Auch der Anteil der Menschen, die eine mittlere oder höhere Schule besucht haben, ist seit den 80er Jahren um mehr als zehn Prozentpunkte gewachsen. Die Pflichtschule als höchsten Bildungsabschluss haben noch rund 19,2 Prozent. 1981 waren es knapp die Hälfte der Bevölkerung, nämlich 46,0 Prozent.