Wien. Die Österreicher sind heute, Sonntag, zur Wahl des neuen Staatsoberhauptes aufgerufen. Dass die Entscheidung bereits am Wahltag fällt, gilt als praktisch ausgeschlossen: Denn um Präsident zu werden, müsste einer der Amtsanwärter mehr als 50 Prozent erreichen - was bei sechs Bewerbern praktisch ausgeschlossen ist. Daher dreht sich alles um die Frage, welche beiden Kandidaten in die Stichwahl kommen.

Aber sogar diese Frage könnte am Sonntagabend noch unbeantwortet bleiben. Denn die Umfragen lassen ein äußerst knappes Rennen um die ersten drei Plätze erwarten. Wenn es sehr knapp hergehen sollte, könnte sogar erst am Montagabend Klarheit herrschen, wer in die Stichwahl am 22. Mai kommt - denn erst am Tag nach der Wahl werden die möglicherweise entscheidenden Briefwahlstimmen ausgezählt.

Sechs Kandidaten

Für das Amt des Bundespräsidenten beworben haben sich Irmgard Griss (unabhängig), Norbert Hofer (FPÖ), Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Andreas Khol (ÖVP), Richard Lugner (unabhängig) und Alexander Van der Bellen (Grüne). Einer von ihnen wird am 8. Juli als Nachfolger Heinz Fischers angelobt, der 2004 erstmals und 2010 ein zweites Mal zum Staatsoberhaupt gewählt wurde.

Wahlschluss ist unterschiedlich

Insgesamt sind 6,382.484 Österreicher wahlberechtigt. Die ersten Wahllokale sperren um 6.00 Uhr früh auf, die meisten zwischen 7.00 und 8.00 Uhr. Der Wahlschluss ist unterschiedlich: Während in Wien und Innsbruck bis 17.00 Uhr gewählt werden kann, schließen die Wahllokale in Vorarlberg schon um 13.00 Uhr. In allen anderen Bundesländern machen die letzten Wahllokale spätestens um 16.00 Uhr zu.

Österreichweiter Wahlschluss ist damit 17 Uhr. Erst danach dürfen die ersten Ergebnisse und Hochrechnungen veröffentlicht werden. Das vorläufige Endergebnis liegt üblicherweise rund um 19.30 Uhr vor.

Wahlbeteiligung sollte steigen

Die 2010 mit knapp über 50 Prozent erschreckend niedrige Wahlbeteiligung sollte sich heuer wieder erholen. Dafür spricht einerseits die große Zahl von sechs Bewerbern - vier davon von Nationalratsparteien unterstützt - und andererseits das Wetter. Es soll stellenweise regnerisch, trüb und recht kühl werden. Somit sollten die meisten der 6,382.486 Wahlberechtigten nicht durch Ausflüge verhindert sein. Eine alte Berechnung der ZAMG ergab einmal, dass jede Sonnenstunde am Wahltag die Beteiligung um 0,6 Prozentpunkte verringert.