Norbert Hofer behauptete in der vergangenen Wochen immer wieder, bei einem Besuch in Israel im Jahr 2014, in der Knesset offiziell empfangen worden zu sein. Es erfülle ihn mit Stolz als erster Politker der FPÖ im israelischen Parlament konstruktive Gespräche geführt und das angespannte Verhältnis seiner Partei mit Israel gelockert zu haben.

Nach einem lockeren Verhältnis klingen allerdings die Worte der israelischen Botschafterin in Österreich nicht. In einem Interview vergangene Woche betonte sie, dass ihre Regierung auch weiterhin offizielle Kontakte mit der FPÖ ablehnt. Konkret sagte sie: "Das ist unsere Politik, und sie wurde nicht geändert."

Keiner weiß von Hofers Besuch

Wie kam es also zum vermeintlichen Empfang Hofers im israelischen Parlament? Dieser Frage ging der ORF-Nachrichtensprecher Armin Wolf in der "ZIB2" am Mittwoch nach. Laut Wolf gibt es nämlich keinerlei Belege eines Empfangs Hofers in der Knesset. Weder österreichische, noch israelische, noch internationale Medien hätten darüber berichtet. Ebenso wenig gäbe es eine Parlamentskorrespondenz, die im Normalfall über solche Parlamentarier-Delegationen berichten würde. Auch der Parlamentspressedienst in Wien hätte auf Nachfrage Wolfs bestätigt, dass es seit Jahren keine Parlamentarier-Reise mehr nach Israel gegeben hätte. Die österreichische Botschaft in Tel Aviv wisse ebenso wenig von einem derartigen Empfang wie die Pressestelle des israelischen Parlaments. Der Pressesprecher des israelischen Parlaments, Yotam Yaki, schreibt auf Anfrage der Tageszeitung "Kurrier": "There was not any official delegation from Austria at the Knesset on July 2014."

Warum findet man also nichts über Hofers angeblichen Empfang im israelischen Parlament? In der "ZIB" antwortet Hofer folgendermaßen: "Man muss bei diesen Gesprächen sehr vorsichtig sein. Sie wissen ja, dass es offiziell noch keine Kontakte gibt mit der FPÖ. Wir versuchen dieses Verhältnis aufzulösen. Und da schreibt man nicht hinein, ich habe die und die und die Person getroffen. Weil man ja damit, wenn man dann dort war, auf dem diplomatischen Parkett auch etwas zerstören kann".

Wiederholt betonte Hofer offiziellen Empfang in Jerusalem

Warum er es dann im Wahlkampf wiederholt erwähnt hätte, fragt Wolf weiter. Denn Hofer hatte dies gegenüber mehreren Medien behauptet. In einem Interview mit der "Wiener Zeitung" sagte er Mitte April 2016 etwa: "Ich kann dazu jetzt nur sagen, dass ich bereits in Israel war und auch offiziell als Dritter Nationalratspräsident in der Knesset empfangen worden bin, auch offizielle Gespräche habe ich dort geführt, unter anderem mit der Vize-Präsidentin des Parlaments."

Hofers Antwort in der "ZIB" klingt jedoch weit weniger nach einem offiziellen Empfang. "Ich habe mit ihr ein Gespräch geführt. Ja. Aber nicht mit der Blasmusik und so weiter. Wir haben uns zusammengesetzt und haben gesprochen." Der im Wahlkampf so oft behauptet offizielle Empfang eines freiheitlichen Politikers im israelischen Parlament hört sich plötzlich nach einem informellen Gespräch an.

Die Aussagen der israelischen Botschafterin in Österreich lässt jedenfalls vermuten, dass Hofers Besuch in Israel zu keinem Durchbruch in der Beziehungen zwischen der FPÖ und Israel führte.