Ich möchte keine Prophezeiungen machen. Die historische Erfahrung mit Finanzkrisen, und zwar über Jahrhunderte hinweg, zeigt jedoch, dass man nach einer Krise Maßnahmen ergreift und Reformen durchführt, die nächste Krise dann aber auf einem ganz anderen Feld, an das niemand gedacht hat, hereinbricht. Deshalb ist es nur sinnvoll, in Szenarien zu denken.

Und ein sehr gefährliches Szenario könnte sein, dass ein großer Spieler, eine Großbank, ein international systemisch relevanter Player, pleitegeht. Ein Kandidat ist die Deutsch Bank. Wenn Sie deren Entwicklung in den letzten Jahren beobachten und die aktuelle Situation sehen, werden Sie feststellen: Da ist der Kurs um mehr als die Hälfte eingebrochen, die Gewinnmargen sind dramatisch geschrumpft, die Bank hat dutzende von Gerichtsverfahren am Hals, wegen Betrugsfällen in den USA und in anderen Ländern. Wenn man nun beachtet, dass die Deutsche Bank ein Mehrfaches des deutschen Bruttoinlandsprodukts allein an Derivaten hält, kann man sich vorstellen, was eine Pleite für Konsequenzen hätte.

Und hier rächt sich auch, dass bei den Finanzmarktreformen ein oder zwei große weiße Flecken geblieben sind: Das ist einerseits der Schattenbanken-Sektor und das sind zum anderen die Too-big-to-fail-Banken, dort hat man nicht reguliert. Das ist eine große Gefahrenquelle. Aber es kann auch aus einer ganz anderen Ecke kommen.

Aus welcher?

Das kann zum Beispiel der Austritt aus dem Euro eines größeren Landes sein. In Italien ist die Cinque-Stelle-Bewegung stark, die Lega Nord will ein Euro-Referendum. Erinnern wir uns: Schon Berlusconi hat seinerzeit seiner Zentralbank den Auftrag gegeben, eine Studie über einen möglichen Ausstieg Italiens aus dem Euro zu erstellen. Auch ein Brexit könnte jetzt noch nicht absehbare, negative Konsequenzen haben. Wenn ein solches Event aus dem politischen Bereich eintritt, ist eine chaotische Situation auf den Finanzmärkten absehbar, die dann jederzeit zu einem Crash führen kann.

Ist die Zeit der politischen Wohlstandsversprechen vorbei?

Möglicherweise hatte Larry Summers (US-Finanzminister unter Bill Clinton, Anm.) recht, als er vor ein paar Wochen warnte, dass eine "säkulare Stagnation" drohen würde, wenn es kein grundlegendes Umdenken in der Wirtschaftspolitik gibt. Darunter versteht man eine dauerhafte Phase ohne Wirtschaftswachstum. Die Gefahr einer Deflation droht, und wie das Beispiel Japan zeigt, kommt man da zwar leicht hinein, aber sehr schwer wieder heraus.

Dass es deshalb verteilungspolitisch schwierig wird, ist nicht zwingend der Fall. Der Narrativ von den nicht vorhandenen Mitteln stimmt einfach nicht. Sehen Sie nur in die Panama-Papers. Sie müssen sich die Entwicklung der privaten Finanzvermögen ansehen - ein einziger Skandal. Umverteilung ist möglich und notwendig. Ich wünsche Ihrem neuen Kanzler Kern den Mut, auch solche Reformen anzugehen.