Wien. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache legt sich weiterhin nicht endgültig fest, ob er die Bundespräsidentenwahl anfechten wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei aber "eine große", sie liege "schon über 50 Prozent", sagte er am Samstag in der ORF-Radioreihe "Im Journal zu Gast". Zeit hat die FPÖ, deren Kandidat Norbert Hofer die Stichwahl knapp verloren hatte, noch bis 8. Juni.

"Bei all den Unregelmäßigkeiten, die da heute auf dem Tisch liegen, muss man schon feststellen, das dürfte über die 30.000 Stimmen hinausgehen", meinte Strache in Hinblick auf vorzeitig geöffnete Wahlkarten-Kuverts. Es könnten wesentlich mehr als die bisher bekannten fünf bis sechs Bezirke betroffen sein. Werde all das auch von Juristen bestätigt, "dann haben wir eine Verantwortung auch im Sinne der Demokratie, diese Wahl anzufechten".

Abschaffung der Briefwahl: "Missbrauchssystem"

Das "heilige demokratische Wahlrecht" müsse gesichert sein, so Strache. Deshalb verlangte er auch die Abschaffung der Briefwahl, denn es handle sich um ein "Missbrauchssystem", bei dem die geheime Wahl nicht gesichert sei. Die Schaffung eines zentralen Wählerregisters wertete im Sinne der Transparenz als wichtig.

Dass ihm Hofer nach der hohen Zustimmung bei der Wahl die Position des Bundesparteichefs bzw. des künftigen Kanzlerkandidaten streitig machen könnte, wies er als "Spielchen politischer Mitbewerber" zurück. Er werde auch in die nächste Nationalratswahl als Spitzenkandidat gehen, "Kanzler der Herzen" sei er ohnehin schon länger, meinte Strache.

Nicht festlegen wollte sich der FPÖ-Obmann, ob seine Partei bei der Kür des Rechnungshof-Präsidenten die aus FPÖ-Umfeld stammende ÖVP-Kandidatin Helga Berger unterstützen wird. Er schließe niemanden mit Kompetenz und Parteiunabhängigkeit aus. FPÖ-Kandidatin sei aber Barbara Kolm.