An den Informationsständen können die Messebesucher außerdem Näheres zu den Themen Existenzgründung, Anerkennung von Qualifikationen und Zeugnissen sowie Wohnungssuche erfahren. Viele Menschen in Wien und Österreich stehen einer Beschäftigung von anerkannten Flüchtlingen oder subsidiär Schutzberechtigten skeptisch gegenüber - auch weil eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht. Cox sieht das anders: "Der Fachkräftemangel wird in Österreich für immer mehr Unternehmen zur Herausforderung. Das Fachkräftepotenzial der neuen Österreicher und Österreicherinnen kann bestmöglich im Interesse des Wirtschaftsstandortes genützt werden. Gerade um diesem Mangel entgegenzuwirken, ist die heimische Wirtschaft auf zugewanderte Arbeitskräfte angewiesen", ist Cox überzeugt und fügt hinzu, dass laut einer Studie der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung (PpEB) jedes siebente Unternehmen in Österreich Flüchtlinge beschäftigt oder plant, diese zu beschäftigen.

Tatsächlich werden vom Staat zusätzliche Maßnahmen und finanzielle Mittel vorgesehen, um Personen mit einem anerkannten Asylstatus und einer Arbeitserlaubnis die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. "Ab Herbst werden wir 30.000 zusätzliche Deutschkurseintritte anbieten, davon 15.000 für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte", sagt Sebastian Paulick, Sprecher des AMS Wien. Parallel dazu laufen standardisierte Kompetenzchecks, die den Menschen vorschreiben, welche Berufsprüfungen in Österreich noch zu absolvieren sind, um für den Arbeitsmarkt fit zu werden. "Dem AMS Wien geht es darum, möglichst viele Menschen zu einem österreichischen Berufsabschluss zu bringen und ihnen eine umfassende Beratung rund um die Fragen des Arbeitsmarkts zu bieten", so Paulick. Für Cox zeigt der AMS-Kompetenzcheck durchaus konkrete Berufspotenziale bei geflüchteten Menschen in Österreich: "Nach Herkunftsländern betrachtet weisen Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und dem Irak die höchste Qualifikation auf", weiß Cox. "So besitzen 67 Prozent der Kompetenzcheck-Teilnehmer aus Syrien, 73 Prozent der Teilnehmer aus dem Irak und sogar 90 Prozent der Teilnehmer aus dem Iran eine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung, das heißt sie haben entweder Studium, Matura oder eine Berufsausbildung", so Organisatorin Cox.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit herrscht in vielen Berufsbranchen immer noch ein Arbeitskräftemangel. Hier sehen die Organisatoren der ersten Berufsmesse eine Lücke, die durch geflüchtete Fachkräfte gefüllt werden könnte. "Vor allem in den Bereichen Handel, Bauwirtschaft, Tourismus, Gesundheitswesen und Technologie wird nach Fach- und Arbeitskräften gesucht. Der Fachkräftemangel betrifft auch den Lehrstellenbereich. Auch hier suchen Hotellerie und Gastronomie sowie die Technologiebranche nach qualifizierten Lehrlingen. Viele Betriebe stehen heute vielmehr vor der Herausforderung, offene Lehrstellen kaum mehr besetzen können", sagt Cox und bestätigt damit einige Initiativen aus der einheimischen Hotelbranche, die bereits im vergangenen Jahr Flüchtlinge in den Arbeitsprozess inkludieren wollten.

Die Organisatoren wollen aber die Probleme der Rekordarbeitslosigkeit nicht kleinreden. "Die berufliche Integration ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance", sagt Cox: "Jeder Flüchtling, der in einen Job vermittelt wird, ist eine Entlastung für das Sozialsystem und eine Investition in die Zukunft."