Wien. (ede) Für 446.673 Schülerinnen und Schüler in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland beginnen heute, Freitag, mit der Ausgabe der Jahreszeugnisse die Sommerferien. Nächste Woche ist es bei den 622.113 Kindern und Jugendlichen in den übrigen Bundesländern so weit.

Im Flüchtlingsheim Ziedlergasse in Wien-Liesing war schon am Donnerstag "Zeugnisverteilung". Die rund 40 Schülerinnen und Schüler erhielten ein symbolisches Zeugnis und eine Schulbesuchsbestätigung. Die Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren wurden seit März 2016 in zwei Neu-in-Wien-Klassen im Flüchtlingshaus unterrichtet, der Schwerpunkt lag in den letzten Monaten auf dem Erlernen der deutschen Sprache. Damit das Wissen nicht gleich wieder ganz verloren geht, gehen die Kinder im Sommer vier Wochen in einen Deutschkurs.

Um möglichst vielen Kindern Sprachförderung zu ermöglichen, hat der Wiener Gemeinderat im Mai beschlossen, das Angebot bei seinen kostenlosen Sommer-Deutschkursen auf 2000 Plätze zu verdoppeln. Die Aufstockung soll vor allem Flüchtlingskindern die Chance geben, in den Ferien Deutsch zu lernen und sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Die Deutschkurse stehen allen Wiener Kindern zwischen 7 und 14 Jahren, die außerordentliche Schüler sind oder in Deutsch mit "Nicht genügend" oder "Genügend" benotet wurden, offen. Neben klassischem Deutschunterricht gibt es nachmittags ein sport- oder freizeitpädagogisches Angebot. Auch in den anderen Bundesländern gibt es Initiativen, damit Kinder von Asylwerbern in eine Ferienbetreuung aufgenommen werden können.

Rund 30.000 Schüler treten zu Wiederholungsprüfung an

Österreichweit werden sich etwa 30.000 von insgesamt rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schülern, die ein negatives Zeugnis bekommen, während der Ferien auf eine Wiederholungsprüfung im Herbst vorbereiten, teilt das Bildungsministerium mit. Von diesen könnten dann erfahrungsgemäß etwa drei Viertel - entweder aufgrund der bestandenen Wiederholungsprüfung(en) oder bei einem "Nicht genügend" auf Basis eines entsprechenden Konferenzbeschlusses - in die nächste Schulstufe aufsteigen. Zum Thema Lehrerfortbildung informiert das Ministerium, dass es diesen Sommer 1147 Fortbildungsveranstaltungen in den acht pädagogischen Hochschulen gibt, zu denen sich bis Donnerstag 25.208 Pädagoginnen und Pädagogen angemeldet haben.

Pünktlich zum Schulschluss kommt auch das Thema Verkürzung der Sommerferien wieder aufs Tapet. Neun Wochen seien zu lang, zu viele Kindergärten haben länger als fünf Wochen geschlossen, es fehlen ganzjährige günstige Betreuungsangebote, kritisieren die Arbeiterkammer, die Plattform für Alleinerziehende sowie die Katholische Frauenbewegung und -ArbeitnehmerInnen-Bewegung. Sie fordern kürzere Ferien, weniger Kindergarten-Schließtage und leistbare Betreuung. Die Situation ist dabei sehr unterschiedlich: In Wien gibt es durchschnittlich nur 2,6 Schließtage im Jahr, in allen anderen Bundesländern sind Kindergärten über fünf Wochen geschlossen und damit länger als der gesetzliche Urlaubsanspruch der Eltern. In Tirol müssen Eltern demnach 19 und in Vorarlberg 29 Tage zusätzlich zum eigenen Urlaub überbrücken.

Betreuungsangebote im Sommer nicht leistbar

Für viele Eltern sei es zudem "eine Katastrophe", für neun Wochen Sommerferien Betreuung für Schulkinder sicherzustellen. Insgesamt haben Schulen in Österreich mehr als 14 Wochen pro Jahr geschlossen. Die Folge: Es sei ein eigener Wirtschaftszweig zur Betreuung der Schulkinder entstanden, die Kurse und Ferienangebote seien allerdings für Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern "schlichtweg nicht leistbar", beklagt Veronika Pernsteiner von der Katholischen Frauenbewegung. Die Organisationen treten dafür ein, die Sommerferien zu kürzen, stattdessen solle Erholungszeit zwischen September und Weihnachten geschaffen werden.