Krakau. In den Augen des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, ist die Integration in Frankreich misslungen, wie er am Rande des am Dienstag in Krakau beginnenden katholischen Weltjugendtages sagte. In einem Gespräch mit Kathpress am Dienstag warnte Schönborn vor einer "Migrantenghettobildung" wie in Frankreich.

Diese Erfahrung müsse sich Österreich zu Herzen nehmen und Ghettos schon im Ansatz verhindern, sagte Schönborn in dem vor der blutigen Geiselnahme in einer nordfranzösischen Kirche geführten Interview. Österreich müsse mehr tun, um jungen Migranten und Asylwerbern Chancen zu geben.

Erinnert an RAF in den 70er Jahren

Dass junge Menschen in den Terrorismus abgleiten und zu Mördern werden, sei schrecklich, "für ihn aber nichts Neues". Er habe als Student erlebt, wie Kollegen vom Maoismus und Klassenkampf fasziniert gewesen seien, so wie heute Jugendliche vom "Islamischen Staat". Auch damals schlitterten mehrere in den Terrorismus. Schönborn erinnerte an die Hinrichtungen der deutschen "Rote Armee Fraktion" (RAF) in den Jahren um 1970 in Deutschland. Gezielt seien damals Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens von der RAF getötet worden.

Wehrpflicht als Auseinandersetzung mit neuer Heimat

Im Blick auf eine bessere Integration der Flüchtlinge und Fällen wie in Würzburg oder Ansbach, wo junge Asylwerber zahlreiche Menschen töteten, nahm Schönborn wieder Bezug auf die Situation in Frankreich. Dort bedauere man heute die Abschaffung der Wehrpflicht. Das Jahr in der Uniform habe viele Migranten dazu gebracht, sich mit dem Staat, in dem sie lebten, auseinanderzusetzen. Er selbst teile diese Einschätzung.