Villach. (sir) Es ist Kirchtag in Villach, das größte Brauchtumsfest Österreichs mit rund 50.000 Besuchern beim jährlichen Umzug. Und fast könnte man meinen, es gehört irgendwie dazu, wenn einander SPÖ und ÖVP im Gemeinderat Scharmünzel liefern. In gewisser Weise ist das auch eine Art österreichisches Brauchtum. Was sich aber am Mittwochabend in der Gemeinderatssitzung abspielte, war doch eine Besonderheit.

Die mit absoluter Mehrheit regierende SPÖ wollte ÖVP-Stadtratn Peter Weidinger in der Sitzung zwei Referate entziehen, und zwar Verkehrsplanung und Straßenrecht - wegen "Untätigkeit des Referenten", wie die SPÖ befindet. Weidinger dementiert diesen Vorwurf. Die Agenden sollten in das Ressort von Planungs-Stadtrat Andreas Sucher (SPÖ) wandern. Objektiv betrachtet erscheint es grundsätzlich sinnvoll, dass Planung und Ausführung in einer Hand sind. Selbst Weidinger hatte bei der Aufteilung der Referate nach der Wahl dafür plädiert.

Verspätet wollte dies die Villacher SPÖ nun also offenbar doch, allerdings jetzt gegen den Willen Weidingers, der nämlich gerne selbst das Planungsreferat von Sucher übernommen hätte. Zumal der junge SPÖ-Stadtrat seit Wochen in der Kritik stand, nachdem herauskam, dass er unter falschem Namen Beleidigungen im Internet gepostet hatte. Am Montag trat Sucher deshalb zurück, womit die Geschichte um eine weitere Facette ergänzt wurde.

FPÖ-Mann bleibt sitzen


Das Gezerre zwischen Rot und Schwarz ging am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung weiter. Die Opposition wollte den Referatsentzug wegdiskutieren, doch dafür war es zu spät. Also beschloss man, aus dem Gemeinderat auszuziehen, um eine Vertagung zu erreichen - was aber nur fast gelang. Denn FPÖ-Gemeinderat Wilhelm Fritz blieb zum Entsetzen der Parteikollegen sitzen. Er entzog sich dann zwar seiner Stimme, seine Anwesenheit reichte aber für einen Beschluss.

Eine positive Konsequenz hatte der Eklat allerdings: Offenbar ist es allen Beteiligten doch unangenehm, was und wie das alles gelaufen ist. Die Streitparteien werden sich wieder an den Verhandlungstisch setzen. Vielleicht eh am Kirchtag.