Über Jahrzehnte hinweg stellten sich die Grünen schützend vor die österreichischen Muslime, galt es doch, den rassistischen Angriffen der FPÖ Paroli zu bieten. Die Grünen wurden zur FPÖ-Antipode, die Politik der Strache-Partei zum deterministischen Maßstab für die eigenen Positionen. Das schweißt zusammen, und so fällt die Kritik an türkischen Vereinen mit Erdogan-Nähe sehr verhalten aus. Immerhin zur Forderung, den vom Erdogan-Regime Verfolgten in der Türkei Botschaftsasyl zu gewähren, kann sich Parteichefin Glawischnig durchringen. Grundsätzliche Kritik an den in der muslimischen Community verbreiteten Werthaltungen aber relativiert Glawischnig gerne - und kontert mit feministischen Ansätzen. "Wir reden viel zu wenig darüber, was da auch tatsächlich für Diskriminierungen passieren", sagte die Parteichefin im ORF-"Bürgerforum" im Februar 2015, zur Debatte um das neue Islamgesetz.

Bewegt sich etwas bei den grünen Positionen zum Thema politischer Islam? "Wir können uns nicht damit begnügen, die Reflexpartei der FPÖ zu sein", sagt Peter Pilz. Harald Walser ist optimistisch: "Ich habe schon das Gefühl, dass sich etwas bewegt. In der Türkei-Krise und bezüglich Terrorwelle haben wir klare Worte gefunden." Anderen geht das nicht weit genug: "Wenn ich einen österreichischen Nazi ablehne, warum kann ich das nicht bei einem Österreicher tun, der eine Türkei-Fahne in den Händen hält und einen totalitären Staat fordert?", empört sich ein weiterer grüner Spitzenfunktionär.

Der in Ungnade gefallene oberösterreichische Grüne Efgani Dönmez sieht kaum Chancen auf Bewusstseinswandel, jedenfalls nicht mit den derzeit handelnden Akteuren. Die Parteispitze werde von interner Kritik zu stark abgeschirmt. "Manche Botschaften verstehe ich, manche verstehe ich nicht", sagte Glawischnig im Jänner in der "ZiB2" in Bezug auf ihre Kritikfähigkeit. Vielen Wählern geht es möglicherweise ganz ähnlich.