Wien. "Profil nachschärfen", "Zusammenarbeit optimieren", "klarmachen, wofür es uns braucht" - nicht nur an der Rhetorik in der ÖVP ist deutlich zu erkennen, dass man sich - allen Beteuerungen zum Trotz, man wolle in der Koalition mit der SPÖ weiterarbeiten - auf den Fall der Fälle vorbereitet. Sollte es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen, will die Volkspartei offensichtlich auf altbewährte Muster zurückgreifen.

Dass sich der konservative Teil der verbliebenen ÖVP-Wählerschaft wieder stärker angesprochen fühlt, soll dementsprechend ein langgedienter Kader sicherstellen: Seit Sonntagabend ist Werner Amon, bis vor kurzem Sicherheitssprecher und ehemaliger Generalsekretär des Arbeitnehmerbundes (ÖAAB), neuer ÖVP-Generalsekretär. Am Montag trat Amon zusammen mit ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner erstmals vor die Presse. Amon löst nach nur zehn Monaten Amtszeit den Wirtschaftsbündler Peter McDonald ab, den es in die Privatwirtschaft zieht. McDonald sei schon länger angezählt gewesen, ist aus ÖVP-Kreisen zu vernehmen. Offensichtlich traut man ihm nicht zu, was nun Amon bewerkstelligen soll, nämlich die Partei von "null auf hundert" zu bringen, sollte kurzfristig ein Wahlkampf bevorstehen.

Ein weiterer Grund für den raschen Abgang von McDonald könnte, wie oft bei Personalrochaden in der ÖVP, das Verhältnis der Bünde in der Bundespartei sein. Mit Amons Bestellung bekommt der bisher unterrepräsentierte ÖAAB mehr Gewicht. Mit Vizekanzler und Wirtschaftsminister Mitterlehner, Staatssekretär Harald Mahrer und Finanzminister Hans Jörg Schelling stellt der Wirtschaftsbund drei der wichtigsten Positionen in der Bundespolitik, dem gegenüber stand bisher nur Innenminister Wolfgang Sobotka als ÖAAB-Mann.

Die seit Monaten schwelende Diskussion um Mitterlehners Vorsitz hatte zuletzt der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer befeuert, indem er Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz, der in Umfragen hohe Sympathiewerte einheimst, als mögliche Alternative zu Mitterlehner anpries.

"Mindestsicherung light"

Die Bestellung des Steirers und ÖAAB-Manns Amon kann so auch als Signal an die steirische Landespartei gesehen werden. Vor allem aber soll Amon laut Mitterlehner vor allem die interne Zusammenarbeit zwischen Regierung, Klub und Bundespartei sicherstellen. Amons Erfahrung sei diesbezüglich "nicht verzichtbar", betonte Mitterlehner, der dem neuen Generalsekretär auch gleich drei Kernagenden mit auf den Weg gab.