Wien. Der Konflikt in der offiziellen Vertretung der Muslime, der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), spitzt sich immer mehr zu. Schon seit einigen Wochen tobt hinter den Kulissen ein heftiger Streit um die Bestellung der Lehrenden an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in Wien und Krems. Dort ist, als Folge des neuen Islamgesetzes, seit 1. September der Hochschulstudiengang für islamische Religionspädagogik (IRPA) angedockt. Damit wurde die Ausbildung von muslimischen Religionslehrern erstmals einer staatlichen Institution unterstellt. Bisher bildete die IRPA als eigenes Institut unter der Direktorin Amena Shakir muslimische Lehrende aus.

Laut österreichischer Verfassung obliegt die Bestellung von Professoren für Religionspädagogik der Glaubensgemeinschaft, also der IGGiÖ. Die Entscheidung trifft dort statutengemäß der Oberste Rat. Doch in der IGGiÖ ist man sich offensichtlich keineswegs einig, wer in Zukunft die muslimischen Religionslehrer ausbilden soll.

Wie der "Kurier" vergangene Woche berichtete, wandte sich Ende Juli der Vizepräsident der IGGiÖ, Abdi Tasdögen, mit einem erbosten Mail an die Mitglieder des Obersten Rates. Der "Wiener Zeitung" liegt die Korrespondenz vor. Tasdögens Vorwurf: Die bereits beschlossene und mit der KPH abgesprochene Liste der zu bestellenden Hochschullehrer sei aufgrund von Interventionen des türkischen Botschaftsrates für religiöse Angelegenheiten, Fatih Mehmet Karadas, vom neugewählten IGGiÖ-Präsidenten Ibrahim Olgun wieder revidiert worden.

In einem weiteren Mail wirft Olgun seinem Vize vor, eine "illegale Zustimmung" seitens der IGGiÖ zur Anstellung der Lehrkräfte an der KPH gegeben zu haben und "parallele Struktur" aufgebaut zu haben. Tasdögen erklärt seinerseits, den bereits gefassten Beschluss des Obersten Rates durch einen neuerlichen Beschluss aufgehoben zu haben - und im Vorfeld auf Mitglieder des Obersten Rates Druck ausgeübt zu haben. Tasdögen zitiert Olgun, dass dieser aufgrund von "Änderungswünschen" des türkischen Botschaftsrats Karadas sowie "Personen von der Atib" (Moschee- und Kulturverband der türkischen Regierung) mit der bereits beschlossenen Liste nicht einverstanden sei. Daraufhin gab Tasdögen eigenmächtig sein endgültiges OK an die Hochschule.

Druck von türkischer Botschaft