Wien. Vor zwei Wochen war es die Plattform Patientensicherheit, zu der Ministerium, Ärzte, Apotheker und Krankenpfleger zählen, die sich für die E-Medikation zur Vermeidung von Wechselwirkungen und Doppelverschreibungen stark machte. Am Dienstag folgte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, der eigentliche Initiator des Projektes, der auf eine bundesweite Ausrollung drängte. Und doch scheint diese noch lange nicht in Sicht. Denn seit 1. Juli muss zwar jeder der rund 8000 Vertragsärzte E-Medikation verwenden, sofern diese technisch verfügbar ist - zum entsprechenden Software-Update ist er allerdings nicht verpflichtet. Der Hauptverband warte daher auf das Okay des Gesundheitsministeriums für eine verpflichtende Ausrollung, am liebsten per Verordnung, sagte Chefin Ulrike Rabmer-Koller am Dienstag. Sanktionen für sich weigernde Ärzte soll es aber keine geben.

"Eine Verordnung gibt es dann, wenn es einen abgestimmten Rollout-Plan gibt und alle das Okay dazu gegeben haben", hieß es dazu aus dem Ministerium. Und das sei noch nicht der Fall. Vor allem die Softwarehersteller, die neben Ärzten und Apothekern zu den Interessengruppen zählten, hätten noch nicht alle zugestimmt. Generell habe man aber höchstes Interesse an einem Rollout. Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin im Gesundheitsministerium, nannte vor zwei Wochen das erste Quartal 2018 für eine bundesweite Anwendung.

Doch auch die Wiener Ärztekammer deponierte am Dienstag massive Bedenken. Schon das Pilotprojekt in Deutschlandsberg in der Steiermark sorgt für erhärtete Fronten. Als "unausgereift und somit unsicher", bewertet Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer für Wien und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, den E-Medikations-Probebetrieb. Dieser hat hier Ende Mai mit 30 Ärzten, neun Apotheken, dem LKH und einem Pflegeheim gestartet und läuft bis 1. November. Dann will man mit der österreichweiten Ausrollung beginnen. 19 der 30 Ärzte nutzen die E-Medikation bereits regelmäßig, sagte Volker Schörghofer, Generaldirektor-Stellvertreter des Hauptverbandes.

Steinhart kann diese Zahl nicht nachvollziehen. Die meisten Software-Hersteller schafften die Einbindung der E-Medikation in die Ordinationssoftware nicht. Aus technischen Gründen hätten mehr als die Hälfte der angemeldeten Ärzte nicht am Projekt teilnehmen können. "Stimmt nicht", konterte Schörghofer. Steinhart habe vielleicht alte Zahlen, die technische Verfügbarkeit sei nachweislich gegeben: 94 Prozent der mit E-Card-System ausgestatteten Ärzte in Deutschlandsberg und 70 Prozent in Österreich könnten sofort mit der E-Medikation ausgestattet werden.