Titelbild des Programmhefts der Tagung. - © Screenshot
Titelbild des Programmhefts der Tagung. - © Screenshot

Wien. Im 20. Jahrhundert wurden die sogenannten Flüchtlingskrisen häufiger und die Abstände zwischen ihnen kürzer als davor. In Österreichs Geschichte ist der Zustrom Vertriebener allerdings eine Konstante. Immer wieder war es in den vergangenen 300 Jahren "Asylland wider Willen", zeigt die Tagung "Flüchtlingskrisen. Nichts Neues in Österreich" an der Universität Wien.

Österreich sei schon immer mit vergleichbaren Flüchtlingsströmen konfrontiert gewesen - und damit klargekommen. Das soll bei dem vom Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichteforschung (INZ) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), dem Zentrum für Migrationsforschung (ZMF) und dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) veranstalteten Symposium durch die Analyse historischer Flüchtlingsbewegungen - vom Osmanischen Reich bis zum Bosnienkrieg - aufgezeigt werden.

 Überforderung von Politik und Öffentlichkeit

Die Geschichte liefere sicher keine Ideallösung für die Gegenwart, betont Historiker Börries Kuzmany von der ÖAW. Sie zeige aber, dass das Land trotz Überforderung von Politik und Öffentlichkeit in der Vergangenheit keinen Schaden genommen hätte. "Ich möchte zeigen, dass man nicht solche Angst zu haben braucht. Ein Land geht davon nicht unter." Im Ersten und Zweiten Weltkrieg etwa sei Österreich mit einer deutlich größeren Zahl an Flüchtlingen konfrontiert gewesen als heute; nach 1945 war es etwa eine Million Menschen, darunter ehemalige Zwangsarbeiter, aus den Konzentrationslagern Entlassene und volksdeutsche Vertriebene.

Beim Umgang mit den Flüchtlingen sieht Kuzmany über die Zeit Parallelen: Stets hätten die Behörden versucht, den Zuzug zu begrenzen und die öffentliche Ruhe aufrechtzuerhalten; bei sehr großem Andrang habe aber auch in der Vergangenheit der Grenzschutz oft versagt. Und es gab schon immer vielfältige Fluchtgründe und Menschen, die solche Notsituationen ausnutzten, indem sie sich als Opfer ausgaben oder als Schlepper daraus ein Geschäft machten. Ob Flüchtlinge in der Gesellschaft als Problem angesehen wurden, hing und hängt wiederum stark mit deren sozialem Hintergrund zusammen. Wer gebildet und wohlhabend war, hatte es schon immer leichter.

Konstante Bewegung

Schon Ende des 17. und im 18. Jahrhundert gab es über die Grenze zwischen dem Habsburger- und dem Osmanischen Reich eine "bescheidene aber konstante Bewegung von Asylsuchenden" ins Land, heißt es im Abstract zum entsprechenden Vortrag. Militäraktionen und Territorialverluste der Habsburger oder der Kuruzenkrieg führten allerdings auch dazu, dass größere Menschenmengen im damaligen Österreich Schutz suchten.