Wenn alles autonom ist, braucht es Gradmesser. Muss man dann bei den Bildungsstandards nachbessern, zumal wir keine Mindeststandards haben?

Die Direktoren müssen umfassende Autonomie erhalten, auf der anderen Seite müssen die Leistungen der Schule dann mit vergleichbaren Schulen verglichen werden. Wenn ein Direktor nach fünf Jahren seine Ziele erreicht, wird er verlängert, wenn nicht, dann eben nicht. Schule ist das einzige System, wo das nicht funktioniert, sonst funktioniert das in allen leistungsorientierten Systemen so.

Werden dann alle Schulen gleich bewertet?

Es braucht für jede Schule Ziele, die vergleichbar sein müssen. Soziale Brennpunktschulen brauchen andere Ziele als Schulen in einem gewachsenen Gebiet. Aber das gibt es international ja alles, das muss man nicht neu erfinden.

Die Auflösung der Bezirksschulinspektoren ist schon seit Jahren ein Thema, wie auch die Schulverwaltung ein ständiger Zankapfel ist.

Die Abschaffung der Bezirksschulinspektoren wird seit Jahren verkündet, passiert ist nichts. Die große Frage ist: Setzt sich diesmal die Regierung durch? Autonomie ist ein wesentlicher Schlüssel, der aber gekoppelt werden muss mit einer anderen Schulverwaltung und neuem Lehrerdienstrecht.

Ein neues Lehrerdienstrecht wurde ja erst vor einigen Jahren beschlossen - und auch damals ging es bereits um Schulautonomie.

Damals wurde in 33 Verhandlungsrunden keine Einigung erzielt, die Regierung ist bei allen Punkten umgefallen und trotzdem hat die Lehrergewerkschaft dagegen gestimmt. Und jetzt hat man noch den Wahnsinn, dass die Lehrer sich vier Jahre lang aussuchen können, ob sie nach dem alten oder neuen Dienstrecht angestellt werden wollen. Das führt dazu, dass 90 Prozent der AHS-Lehrer das für sie bessere alte System und 90 Prozent der Pflichtschullehrer das für sie bessere neue System wählen. Die einzige Lösung in einem System, wo in kürzester Zeit sehr viel gearbeitet werden muss und insgesamt drei Monate Ferien sind, ist ein Jahresarbeitszeitmodell. Mit dem Halbtagessystem werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern. Schüler werden immer heterogener, darauf müssen die Lehrer vorbereitet werden.

Jetzt bekommen die Schulen aus der Bankenabgabe-Abschlagszahlung 750 Millionen Euro zum Ausbau der Schulinfrastruktur für Ganztagsschulen.

Vorsicht, so interpretieren das die Gegner der verschränkten Form der Ganztagsschule. In Wirklichkeit war das Geld dafür gedacht, die verschränkte Form der Ganztagsschule auszubauen. Aber dagegen gibt es Widerstände, ideologische und von Lehrern, die nicht den ganzen Tag an der Schule sein wollen. Ich behaupte, dass die Widerstände daher kommen, dass die verschränkte Form, die nur drei Prozent der Ganztagsschulen ausmacht, zu wenig bekannt ist. Wo es diese bereits gibt, herrscht hohe Zufriedenheit: Weil der Stress herausgenommen ist, weil man nach der Schule tatsächlich frei hat, weil man den Schultag besser takten kann. Aber jetzt streiten Länder und Gemeinden um diese 750 Millionen, alle wollen es nach eigenem Gutdünken einsetzen. Das ist der Grund, warum unser Bildungssystem so dasteht. Die Regierung hat jetzt ihre letzte Chance zu zeigen, dass unser Bildungssystem doch noch reformierbar ist.