Wien. Die gute Nachricht: Der Zeitpunkt ist so günstig wie nie, für Frauen in der Wirtschaft weiterzukommen. Das sagte Christiane Funken, Professorin für Medien- und Geschlechtersoziologie an der Technischen Universität Berlin und Autorin, am Mittwochabend bei einer vom Frauennetzwerk Medien veranstalteten Podiumsdiskussion in Wien.

Immer wieder hätten Entwicklungen wie zum Beispiel die Digitalisierung die Hoffnung darauf geschürt, dass "sich endlich für Frauen etwas ändert", aber nie sei etwas geschehen, sagte Funken. Nun sieht sie erstmals drei parallele Strömungen, die sich gegenseitig befruchten und daher nicht mehr übersehen werden können: Neben dem Wandel der Arbeitswelt insgesamt (Stichwort: Industrie 4.0) ändere sich auch die Haltung der Menschen in Bezug auf die Arbeit. Immer mehr Menschen suchten nach einer sinnhaften, nachhaltigen Beschäftigung, die sich auch gut in die individuellen Lebensentwürfe integrieren lassen. Und schließlich diagnostiziert die Forscherin einen gesamtgesellschaftlichen Wandel: Der Wunsch nach einer gleichberechtigten Partnerschaft (und damit auch einer gleichberechtigten Fürsorge für die Kinder) ziehe sich durch immer weitere Gesellschaftsschichten. "Vor diesen drei Aspekten zusammengenommen wird die Wirtschaft die Augen nicht verschließen können", so Funken. Und alle kämen grundsätzlich den erworbenen Kompetenzen von Frauen entgegen.

Verkrustete Strukturen


Und nun die schlechte Nachricht: Trotz all dieser Entwicklungen gebe es in den Unternehmen häufig noch "verkrustete Strukturen und Kulturen". Viele Frauen stünden alleine durch ihre Weiblichkeit unter einer Art Generalverdacht: "Die schaffen das alles gar nicht." Auch in puncto Selbstvertrauen und netzwerken seien Frauen viel zurückhaltender als Männer.

Das kann auch Veronika Pelikan, ehemalige Chefredakteurin der "Wienerin", die sich nun mit einer eigenen Onlineplattform selbständig gemacht hat, bestätigen. Natürlich habe sie immer viel gearbeitet und ihr Netzwerk gepflegt. Als man sie dann gefragt habe, ob sie Chefredakteurin werden wolle, sei die erste Überlegung gewesen: "Ob ich das kann?" Dabei ist das (bei Männern fast immer gegebene) Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit auch für die eigene Außenwirkung extrem wichtig, so Funken. Ihr Resümee: "Die Zeiten des fleißigen Lieschens sind vorbei" - über Leistung alleine lasse sich nicht Karriere machen. Vielmehr müssten auch Frauen lernen, Netzwerke klug und ohne schlechtes Gewissen zu nützen.

Das Buch "Sheconomy. Warum die Zukunft der Arbeitswelt weiblich ist" ist im April 2016 im C. Bertelsmann Verlag erschienen (208 Seiten gebunden, 18,50 Euro). Das Buch basiert auf ihren empirischen Studien zu Karrierestrategien und -chancen von Frauen.

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