Dialog im Forum: Ehrenpräsident Franz Vranitzky und Heinz Fischer mit Generalsekretärin Gertraud Auer Borea d’Olmo. - © Daniel Novotny
Dialog im Forum: Ehrenpräsident Franz Vranitzky und Heinz Fischer mit Generalsekretärin Gertraud Auer Borea d’Olmo. - © Daniel Novotny

Wien. (seif/gö) Kantige Denker wie der britische Historiker, Intellektuelle und bekennende Linke Tony Judt nach Wien gebracht zu haben – das ist ein Verdienst des vor 25 Jahren gegründeten Bruno Kreisky Forums. In der Armbrustergasse, wo heuer unter anderem die Journalisten Martin Wolf (der wohl bedeutendste Wirtschaftskolumnist der Gegenwart) und Paul Mason (der sich mit Postkapitalimus beschäftigt) sowie die Politikerinnen Sarah Wagenknecht (Linke) und Gesine Schwan (SPD) zu Besuch waren, geht auch der Bundeskanzler gerne ein und aus.

Zuletzt stand Christian Kern dem Filmemacher und Autor David Schalko auf dem Balkon der Döblinger Kreisky-Villa in einem launigen Interview Rede und Antwort. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit war und ist das Forum auch Plattform für einen diskreten, vertraulichen Friedensdialog verfeindeter Streitparteien.

Bruno Kreisky wäre wohl damit zufrieden, was aus dem nach ihm benannten Forum geworden ist. Ersonnen haben es der Historiker Oliver Rathkolb und Kreiskys einstige Sekretärin Margit Schmidt kurz nach dem Tod des früheren Bundeskanzlers im Juli 1990. Dank finanzieller Unterstützung durch die Republik Österreich und die Unternehmerfamilie Kahane (der 1993 verstorbene Karl Kahane war Wirtschaftsberater und enger Freund Kreiskys) konnte das Institut 1991 in der Kreisky-Villa eröffnet werden.

Forum für unterschiedliche Positionen

Heute ist es – neben dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen – wohl Wiens bedeutendste Denkfabrik. Gertraud Auer Borea d’Olmo führt seit Jahren die Geschäfte. Während der Erhalt der Villa und des Gartens "angesichts der prekären Finanzsituation mehr als mühsam" ist, wie sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" berichtet, floriert die Arbeit selbst: Das Haus gilt als international relevante Diskursplattform, Diskussionsabende sind stets gut besucht. Für die Veranstaltungen ist die Finanzierung gesichert.

Am Montagabend wurde das 25-jährige Jubiläum im Beisein mehrerer Regierungsmitglieder gefeiert. Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky, Gründungs- und Ehrenpräsident des Kreisky Forums, meinte in seiner Festrede, "seit das 21. Jahrhundert in die Gänge gekommen ist", komme es zu einer zunehmenden Entsolidarisierung der Gesellschaft. Dies sei eines der größten Probleme Europas. Die fehlende Solidarität zeige sich in den Regierungen (etwa in der Flüchtlingsfrage), aber auch in der Bevölkerung. Populisten würden sich das zunutze machen.

Alt-Bundespräsident Heinz Fischer betonte den Dialog-Charakter: "Die kommenden zehn Jahre werden schwieriger als die vergangenen zehn. Umso wichtiger ist ein solches Forum, in dem unterschiedliche Positionen umfassend besprochen werden."