Linz. Tausende Menschen haben am Samstagnachmittag in Linz gegen den Kongress der selbsternannten "Verteidiger Europas" demonstriert. Laut Angabe der Polizei sollen 1.800 teilgenommen haben. Von Veranstalterseite sprach man dagegen von bis zu 3.500 Menschen.  Der Protest richtete sich aber nicht nur gegen das rechte Treffen in den Redoutensälen, sondern auch dagegen, dass das Land seine Repräsentationsräume an die Veranstalter vermietet hat. "Es ist kein Zufall, dass der rechte Kongress in Linz stattfindet", meinten Redner der Gegenkundgebung. Damit verwiesen sie auf die seit einem Jahr in Oberösterreich regierende schwarz-blaue Koalition. "Vielfalt statt Einfalt" oder "Horizont erweitern, statt Grenzen setzen" waren auf ihren Transparenten zu lesen.

 Bischof Laun sagt Teilnahme am Rechten Kogress ab


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Für Aufregung sorgte am Samstag  auch der angekündigte Auftritt des Salzburger Weihbischof Andreas Laun am "Verteidiger Europas"-Kongress. Bischof Laun bestätigte, dass er eingeladen worden sei, über "Europa und seine christlichen Wurzeln" zu reden.  Allerdings sagte Laun seine Teilnahme dann wieder ab. Nach eigenen Angaben kam er damit dem ausdrücklichen Ersuchen von Erzbischof Franz Lackner nach.

"Unter sich" 

Nicht ganz so geklappt hat auch das Vorhaben der Veranstalter, bei dem Kongress "unter sich" zu bleiben. Denn auch wenn Medienvertreter nicht zugelassen waren, so gelang es dennoch einigen, daran teilzunehmen. Auch ein Redakteur der Wiener Zeitung war vor Ort.

Seinen ersten Schilderungen zufolge befanden sich unter den Kongressteilnehmern sehr viele Personen aus Ostdeutschland. Insgesamt war das Publikum eine Mischung aus klassischer Neuen Rechten und Verschwörungstheoretikern. Neben dem FPÖ-Generalsekretär und Norbert-Hofer-Wahlkampfmanager Herbert Kickl, der in der Veranstaltung einen "Kongress der ganz normalen Leute" sah, kam unter anderem auch Götz Kubitschek, der Mann der Neuen Rechten schlechthin, in einer pathetischen Rede zu Wort. Des Weiteren warnte auch ein serbischer Aktivist als Redner in drohenden Worten vor Islamisierung und eine syrische Assad-Anhängerin wiederum behauptete, dass 2015 der Großteil der Flüchtlinge keine Syrer gewesen wären.

Hinter dem Kongress "Verteidiger Europas" steht das "Europäische Forum
Linz". Auf der Liste der "Aussteller" fanden sich u.a. die Identitäre
Bewegung, die vom früheren Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf
ins Leben gerufene Webplattform "unzensuriert.at" oder das
Zweimonatsblatt "Info Direkt". Kritiker der Veranstaltung
charakterisierten die Teilnehmer als Rechtsextreme und
Verschwörungstheoretiker, oft mit Russland-Affinität, teils mit
umstürzlerischen Tendenzen.

Eine Analyse vor allem über die inhaltliche Tragweite dieses Kongresses lesen Sie am Donnerstag in der "Wiener Zeitung".