Im Hauptsaal, hinter der Rednertribüne, ein großes Banner der oberösterreichschen Landesfahne. Gleich daneben das Logo des Internetblogs "unzensuriert.at", den Walter Asperl, Vertrauter des ehemaligen Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf, betreibt. Über unzensuriert.at sagt der Verfassungsschutz, es vertrete "zum Teil äußerst fremdenfeindliche" sowie antisemitische und verschwörungstheoretische Positionen. 

Die Uhren hier in Oberösterreich würden anders gehen, freut sich Jürgen Elsässer, Herausgeber des Magazins "Compact". Er freue sich, dass er hier "Asyl" gefunden habe, für Positionen, die in Deutschland nicht möglich seien, im "Reich der Finsternis", das das "Merkel-Regime" in Deutschland errichtet habe. "Deutschland darf nicht zugrunde gehen, aber wir brauchen dafür die Unterstützung unserer Blutsbrüder!", ruft der ehemalige antiimperialistische linke Publizist in den Saal. "Ihr in Österreich habt die Chance, nicht nur Protest auszudrücken, sondern zur Macht zu gelangen. Ihr müsst vorangehen!" Über eine Viertelstunde spricht Herbert Kickl. Man müsse schon verstehen, dass auf ihm ganz groß das Logo "Tagespolitik" prange, erklärt sich der FPÖ-Generalsekretär. Es klingt wie eine Rechtfertigung. In seiner Rede finden sich fast alle thematischen Stränge, die den Kongresstag dominieren. Auch ein bisschen Wahlkampf darf nicht fehlen. Der "mieselsüchtige linke Flügel im Parlament" könne nicht die Zukunft Europas sein, ebenso wenig die "Mainstreammedien", die "mediale Stalinorgel". Der "Gesinnungsfaschismus" habe den "Kongress der ganz normalen Leute" nicht verhindern können. Alexander Van der Bellen? Der "Last-Minute-Patriot" sei der "Kulminationspunkt politischer Heuchelei", aber als "Tagespolitiker" werde man eben "ins Rechtfertigungseck verbannt": "Ich distanziere mich von den Distanzierungen."

Die Grenzen der Milieus und Aktionsformen verschwimmen

Der Wiener Thomas Bachheimer, Europa-Präsident des "Goldstandard-Instituts" und mit seinem Anlage-Projekt "think outside the box" vertreten, referiert zu Mittag ausführlich über seine Sicht auf den Euro. Für ihn ist klar, wer hinter der 1971 beschlossenen Auflösung des Goldstandards steckt: die Familie Rothschild, auch heute noch Mitbesitzerin von Zentralbanken. Die Herrschenden, sagt Bachheimer, hätten sich stets des Geldsystems bemächtigt, um die Bürger "platt zu drücken". "Ich rufe auf, die Gesetze zu brechen", schließt er unter tosendem Applaus.

Die Syrerin Maram Susli ruft dazu auf, die Angriffe auf Machthaber Assad einzustellen, nur so könne die bewusste Destabilisierung Syriens beendet werden. Die Mehrheit der 2015 nach Europa Geflüchteten seien nämlich mit falschen Pässen gekommen, die Syrer selbst würden alle wieder nach Hause wollen. So viel Verständnis kann Misa Djurkovic aus Belgrad für Muslime nicht aufbringen. Diese würden als "biologische Waffe" gegen die Völker Europas eingesetzt, und über das Fördern der Homosexuellen-Community würden die EU-Eliten am Untergang Europas arbeiten.

Drei Ziele, so der Eindruck am Ende des Tages, verfolgten die Kongressveranstalter: Die Grenzen zwischen der Neuen Rechten, dem klassischen Rechtsextremismus und dem Rechtspopulismus sollen verschwimmen; die eigenen Medienkanäle beworben und die Ablehnung der "Mainstreammedien" gestärkt werden; gemeinsam, mit dem Segen der Landesregierung, will man ein Stück aus dem rechten Eck heraus.

Nur von Weitem war am späten Nachmittag der Lärm der laut Veranstalter über 2500 Teilnehmer der Gegendemonstration zu hören.