Washington/Wien. Österreichs Bundeskanzler Christian Kern hat Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl gratuliert. "Wahlergebnisse lügen nicht", sagte er am Mittwoch am Rande der Nationalratssitzung im Parlament. Auch für kommende Wahlen in Europa werde man Lehren aus dem Ausgang der Präsidentschaftswahl ziehen müssen, so Kern. Er erwartet "heftige Auseinandersetzungen um die Mittelschicht."

"Es ist ein Wahlausgang, mit dem sicherlich wenige gerechnet haben", kommentierte Kern den Sieg Trumps. Viele Menschen hätten das politische System in den USA nachhaltig abgelehnt. In welche Richtung sich die dortige Politik entwickeln werde, müsse man nun abwarten. Österreichs Kanzler zeigte sich auch zuversichtlich, dass viele Ansagen Trumps im Wahlkampf nicht in dieser Form umgesetzt würden. Die Beziehungen zu den USA bezeichnete Kern als gut und über die Jahre bewährt.

Brexit-Déjà-vu

Auch Außenminister Sebastian Kurz versuchte zu beruhigen: "Ein amerikanischer Präsident, auch wenn er sehr mächtig ist, ist kein Alleinherrscher."

Kurz sprach von einem "Déjà-vu wie beim Brexit-Votum der Briten". Der Ausgang der US-Wahl sei selbstverständlich zu respektieren. Der Außenminister erwartet durch den neuen US-Präsidenten einiges an Veränderung und eine gewisse Phase der Verunsicherung. "Es bleibt nun abzuwarten, welche der Ankündigungen aus dem Wahlkampf Donald Trump als amerikanischer Präsident aufgreifen und umsetzen wird", sagte Kurz.

Kurz glaubt nicht an Vorbildwirkung für Europa

Trump hatte im Rahmen seiner Kampagne etwa ein geringeres Engagement in der Nato, ein entspannteres Verhältnis zu Russland sowie eine Aufkündigung des Ian-Atom-Deals in den Raum gestellt. "Ich hoffe nicht, dass der Iran-Deal aufgekündigt wird. Ich halte den Deal für einen richtigen Schritt, der ein Stück mehr Stabilität in diese ohnehin unruhige Region gebracht hat. Und es ist einer der wenigen internationalen Erfolge der Diplomatie in den vergangenen Jahren." Insgesamt brauche es eine starke und eigenständige Außenpolitik der Europäischen Union.

Dass Trumps Wahl als Vertreter des Anti-Establishments Vorbildwirkung für die kommenden Präsidentenwahlen in Österreich oder Frankreich haben könnte, glaubt der Außenminister nicht. "Ich bin der Auffassung, dass die unterschiedlichen politischen Systeme in den USA und in Europa nicht eins zu eins vergleichbar sind. Wir haben in den meisten europäischen Ländern Mehrparteiensysteme", warf Kurz ein.