Sie halten sich aber bewusst die Option offen, gegen eine Mehrheit des Parlaments die Unterschrift unter ein internationales Abkommen zu verweigern: Darin liegt, aufgrund des Präzedenzfalls, der Keim zu einer massiven Staatskrise.

Absolut, da haben Sie recht. Wenn tatsächlich eine Mehrheit des Parlaments dafür stimmt, dass ein Abkommen im Interesse Österreichs liegt, dann muss sich jeder Bundespräsident drei Mal überlegen, seine Zustimmung zu verweigern. Deshalb bin ich hier so vorsichtig. Gottseidank gibt es jetzt nur ein vorläufiges Inkrafttreten von Ceta und nach einigen Jahren sehen wir dann alle klarer die Vor- und Nachteile. Wegen genau dieser grundsätzlichen Problematik trete ich für ein Gremium von Verfassungsexperten ein, die nach der Wahl die Kompetenzen des Bundespräsidenten, die großen wie die kleinen, einmal genau analysieren soll, ob alle wirklich noch in das 21. Jahrhundert passen.

Ist es nicht seltsam, dass wohl nur ein Bruchteil der Wählerstimmen darüber entscheiden wird, ob Österreich nach dem 4. Dezember von den Medien im In- wie Ausland entweder als leuchtendes Beispiel eines erfolgreichen Abwehrkampfs gegen den Rechtspopulismus oder aber als eine weitere gefährdete Demokratie beschrieben werden wird? Ist das wirklich angemessen?

Dieser Verantwortung muss sich jeder Wähler stellen, und ich finde das nicht so schwer: Es gibt zwei Kandidaten, zwei Programme und der Zeitaufwand ist ebenfalls überschaubar. Und tatsächlich ist es so, dass auch ausländische Medien diese Wahl sehr genau beobachten und fragen, wie es nur sein kann, dass ein Kandidat, der Europa skeptisch bis ablehnend gegenübersteht, so viele Stimmen erhält. Das weckt, finde ich, berechtigte Sorgen. Und dass auch knappe Entscheidungen den Lauf der Geschichte verändern können, dafür ist die Volksabstimmung 1978 über das AKW Zwentendorf das beste Beispiel. Damals hat eine hauchdünne Mehrheit von 50,5 Prozent der Wahlbeteiligten dagegen gestimmt - und trotzdem wurde das knappe Ergebnisse von allen akzeptiert. Aber ja, es gibt auch Abstimmungen, nach denen die zutage getretene Spaltung des Landes bestehen bleibt, die keine allgemeine Akzeptanz erfahren. Ich hoffe sehr, dass dies nach dem 4. Dezember nicht der Fall sein wird.

Letzte Frage: Was ist bei dieser Persönlichkeitswahl Ihr größter Nachteil und Hofers größter Vorteil?

Dass ich bei den Grünen war, wird mir oft vorgehalten, vor allem auf dem Land ist das für viele ein rotes Tuch. Hofer ist dagegen ein unbeschriebenes Blatt und er beherrscht ganz ausgezeichnet diverse schmutzige Tricks, ein Gespräch zu zerstören. Nur qualifiziert ihn das nicht für das Amt des Bundespräsidenten.