Zeit für die Kinder: Immer mehr Väter nehmen sich eine Auszeit vom Job. - © fotolia/Irina Schmidt
Zeit für die Kinder: Immer mehr Väter nehmen sich eine Auszeit vom Job. - © fotolia/Irina Schmidt

Wien. (ede) "Mein Boss hat eine Glatze und ist 50 cm groß." 200.000 Stück Freecards mit Slogans wie diesem will das Familienministerium ab Dezember unters Volks bringen. Sie sind Teil einer Informationskampagne, die das Ziel hat, mehr Vätern die Väterkarenz schmackhaft zu machen. Über Eltern-Kind-Boxen, die Schwangere beim Gynäkologen erhalten, und über Aufsteller bei Beratungsstellen sollen im kommenden Jahr 120.000 Folder verteilt werden. Darin erfahren Väter und Mütter Wissenswertes über die finanziellen Zuwendungen für Eltern während der Kinderbetreuung.

Familienministerin Sophie Karmasin vermisst nach wie vor eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von Vätern, die sich eine Auszeit für die Familie nehmen wollen. Das zeigt das am Freitag erstmals vorgestellte "Väter-Barometer", das ab nun jährlich erstellt werden soll. Demnach schätzen nur 22 Prozent der Bevölkerung Österreich als väterfreundlich ein, sagte Karmasin vor Journalisten. Nur 9 Prozent finden, dass ein berufstätiger Mann, der seine Kinder betreut, gesellschaftlich sehr akzeptiert ist.

"Jedes Unternehmen kann ein paar Monate auf einen Mitarbeiter verzichten", sagt Jungvater Enrico Radaelli. Er ist Vorstandsassistent bei der Grazer Stadtholding und war drei Monate zuhause bei seinem Kind, im Büro habe sich in der Zwischenzeit "nicht viel verändert." Das zweite Kind ist schon unterwegs, und Radaelli plant, erneut in Karenz zu gehen.

Für ihn wird dann eine Neuerung zum Tragen kommen, nämlich das Kinderbetreuungsgeldkonto mit 1000 Euro Partnerschaftsbonus, das es ab 1. März 2017 geben wird. Der Bonus wird ausbezahlt, wenn die Eltern gleich lang Kinderbetreuungsgeld beziehen.

Grüne fordern Rechtsanspruch auf Papamonat


Neu ist auch der "Familienzeitbonus" in Höhe von 700 Euro, den erwerbstätige Väter bekommen, die den "Papamonat" in Anspruch nehmen. Judith Schwentner, Familiensprecherin der Grünen, fordert einen Rechtsanspruch für den Papamonat und kritisiert, dass die 700 Euro auf ein allfälliges später vom Vater bezogenes Kinderbetreuungsgeld angerechnet werden.

Laut "Väter-Barometer" ist der Anteil der erwerbstätigen Frauen mit Kindern unter drei Jahren von 2005 bis 2015 von 28,2 Prozent auf 33,1 Prozent gestiegen. Bei den Frauen mit Kindern von sechs bis unter 15 Jahren stieg die Erwerbsquote von 76,9 Prozent auf 80,1 Prozent. Bei den Männern betragen die entsprechenden Erwerbsquoten rund 90 Prozent, egal, wie alt die Kinder sind.

19 Prozent der Väter beteiligen sich in Österreich derzeit an der Kinderbetreuung - für Karmasin viel zu wenig. Schweden kommt auf 90 Prozent, Deutschland immerhin auf 34 Prozent. Karmasins Wunsch: eine Väterbeteiligung von 30 Prozent bis 2025.