Hintergrund der größeren Kluft könnte laut Bifie sein, dass diesmal der Test komplett auf dem Computer durchgeführt wurde. Es kann hier allerdings nur Vermutungen anstellen: Die OECD hat zwar bei der Umstellung untersucht, wie sich die neue Erhebungsmethode auf die Ergebnisse auswirkt ("Mode Effect"). Österreich hat daran allerdings wegen eines von Ex-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verhängten und erst später wieder aufgehobenen Teststopps nicht teilgenommen.

Im Fach Mathematik gab es schon bei früheren Pisa-Studien einen Rückstand der Mädchen zwischen 19 und 23 Punkten. Diesmal ist der Leistungsvorsprung der Burschen aus Österreich (27 Punkte) ebenfalls der größte unter den OECD-/EU-Ländern, ähnlich ist er nur in Italien (20), Chile (18) und Deutschland (17).

Mädchen lesen besser

Beim Lesen erreichen wiederum die Mädchen - wie in den meisten Ländern - die besseren Resultate, diesmal ist der Vorsprung vor den Burschen allerdings mit 20 Punkten deutlich geringer als bei bisherigen PISA-Studien (33 bis 47 Punkte). Auch hier könnte sich laut Bifie die Durchführung des Tests am Computer ausgewirkt haben, bei einer Untersuchung bei PISA 2012 war der Leistungsabstand der Burschen beim Lesen elektronischer Texte deutlich geringer als beim Lesen gedruckter Texte.

Geschlechterunterschiede gibt es auch, wenn man sich die besonders leistungsstarken und -schwachen Schüler in Österreich ansieht: So sind von den acht Prozent der Spitzenschüler in den Naturwissenschaften zwei Drittel Buben, in der Risikogruppe sind etwas mehr als die Hälfte Mädchen. Auch in der Mathematik-Spitzengruppe sind deutlich mehr Burschen (68 Prozent), in der Risikogruppe überwiegen die Mädchen (56 Prozent). Nur im Lesen liegt der Mädchenanteil unter den Schülern mit den besten PISA-Ergebnissen mit 57 Prozent über dem der Burschen, diese dominieren im Gegenzug in der Risikogruppe (58 Prozent).