Das kam dann doch überraschend. Peter Westenthaler ist am Freitag wegen schweren Betrugs und Untreue als Beteiligter zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, zehn Monate davon unbedingt. Ein mitangeklagter ehemaliger Bundesliga-Manager wurde zu 18 Monaten bedingt verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig, beide Verteidiger, Thomas Kralik sowie Michael Dohr, meldeten umgehend Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Es war der zweite Rechtsgang in zwei Verfahren gegen den ehemaligen FPÖ- und BZÖ-Politiker. Die Freisprüche in erster Instanz waren vom Obersten Gerichtshof wegen Begründungs- und Feststellungsmängel aufgehoben worden. Dennoch waren Beobachter auch bei der Prozesswiederholung davon ausgegangen, dass die Urteile des Erstgerichts eine Bestätigung erhalten würden. Die Schuldsprüche waren auch insofern überraschend, als am Schlusstag sämtliche Beweisanträge der Verteidigung abgewiesen wurden, auch die Befragung zweier Entlastungszeuginnen ließ der Senat nicht zu.

Zugegeben, in beiden Fällen hatte bereits der erste Rechtsgang offenbart, dass sowohl eine öffentliche Millionen-Förderung der Bundesliga auf eher ungewöhnliche Weise zustande gekommen ist, sowie auch im zweiten Fall, bei einer 300.000-Euro-Zahlung der Österreichischen Lotterien an das BZÖ, mehr Fragen offen blieben als beantwortet wurden. Ein in zeitlicher Nähe zur Zahlung verfasstes Gutachten eines Mitarbeiters der BZÖ-Agentur "Orange" für die Lotterien über Online-Glücksspiel glich einer Kurzversion eines Wikipedia-Eintrags zu diesem Thema.

Das Erstgericht sprach damals zwar auch von Untreue, wörtlich sagte damals Richter Wolfgang Etl, dass von "Untreue des Doktor (Leo) Wallner auszugehen ist", der langjährige Casinos-Chef war jedoch damals nicht mehr prozessfähig und ist mittlerweile ebenso gestorben wie der Autor des fragwürdigen Gutachtens. Für eine Involvierung Westenthalers fand der Senat damals keine Beweise, nun, unter dem Vorsitz von Richterin Marion Hohenecker, sehr wohl.

Und auch in der Causa Bundesliga setzte es für Westenthaler und seinen Mitangeklagten Schuldsprüche. Anders als das Erstgericht erkannte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung, dass die beiden damaligen Bundesliga-Manager eine für die Existenz der Liga bedrohende Finanzschuld widmungswidrig mit der Nachwuchsförderung beglichen hätten. Der schwere Betrug sei "objektiviert", der Tatbestand "mit eindeutiger Sicherheit" erfüllt, sagte Richterin Hohenecker. Den ÖFB, über den formal die Förderung abgewickelt wurde, habe man "dumm sterben lassen", hieß es in der Urteilsbegründung.

Westenthaler gab sich nach dem Urteil schockiert, aber auch kämpferisch: "Wir sehen uns im dritten Rechtsgang."