Wien. Die Miete wurde erhöht, die Bio-Milch gibt’s im Supermarkt kaum noch unter einem Euro pro Liter, und im Stammcafé kostet der kleine Schwarze auch schon deutlich über zwei Euro. Das Leben wird - subjektiv - immer teurer. Wenn dann die Statistik Austria bekanntgibt, dass die Verbraucherpreise im vergangenen Jahr nur um 0,9 Prozent gestiegen sind, macht sich bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern Unverständnis breit.

Eine derart geringe Preissteigerung habe es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben, sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer am Mittwoch vor Journalisten. Die bedeutendsten "Preistreiber" waren Restaurants und Hotels, vor allem die sogenannten Bewirtungs- und Beherbergungsdienstleistungen haben sich überdurchschnittlich stark verteuert, ebenso wie die Wohnungsmieten. Auch im Bereich "Freizeit und Kultur" stiegen die Preise überdurchschnittlich. Als Preisdämpfer machte die Statistik Austria den Lebensbereich "Verkehr" aus, wo die Preise um 1,8 Prozent sanken. Hauptpreisdämpfer waren die Treibstoffpreise.

Warum es den Verbrauchern dennoch so vorkommt, als sei quasi "alles" deutlich teurer geworden, liegt an der sogenannten "gefühlten Inflation": Der Konsument hat hauptsächlich die Preise von Dingen im Kopf, die oft - täglich oder wöchentlich - eingekauft werden. Und: Einkommensschwächere Haushalte geben einen höheren Prozentsatz für Nahrungsmittel, fürs Wohnen und für Energie aus.

Kein Maßstab für Abbildung der Lebensrealität


Vor ein paar Jahren hat die Statistik Austria einen persönlichen Inflationsrechner gelauncht, bei dem sich Verbraucher anhand ihres eigenen Konsumverhaltens "ihre" Inflationsrate ausrechnen können. Für Lohnabschlüsse etc. wird jedoch die offizielle Teuerungsrate herangezogen. Darüber, ob sie ein geeigneter Maßstab ist, um das Konsumverhalten von Personen mit verschiedenen Einkommen abzubilden, wird immer wieder heftig diskutiert, zuletzt im Zusammenhang mit der "kalten Progression".

In der Vergangenheit wurde diese durch regelmäßige Steuerreformen teilweise abgegolten. Nun wollen Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) und ÖVP-Chef, Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner das Phänomen so rasch wie möglich beseitigen, und zwar automatisch. "Wir wollen eine automatische, unbürokratische Entlastung aller Steuerzahler, sobald die Inflationsrate einen bestimmten Wert überschreitet. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit", so Mitterlehner zur APA. "Die Abschaffung der kalten Progression soll aber nicht Anlass für eine neue Umverteilung sein, wie das die Sozialisten wollen", fügte der Sprecher der Plattform für Leistung und Eigentum sowie frühere ÖVP-Nationalratsabgeordnete Günther Stummvoll hinzu.