"Plan A" enthält auch eine - zu moderate, wie Kritiker meinen - Erbschaftssteuer. Wie sieht die OECD das?

Für uns ist das ein positiver, realistischer Schritt in die richtige Richtung. Erbschaftssteuern sind weniger verzerrend als direkte Einkommenssteuern. Die angekündigte Steuer wäre ein - wenn auch kleiner - notwendiger Schritt, um die Konzentration der Steuerlast auf Arbeit ein wenig abzumildern. Außerdem würde die Maßnahme die Ungleichheiten beim sogenannten "Pflegeregress" beseitigen, der die finanziellen Lasten der Pflege auf die Schultern der Familie und Ehegatten gelegt hat.

Der Plan sieht auch vor, dass mehr Geld an Schulen mit einem höheren Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund gehen soll. Schülerinnen und Schüler sollen Tablets bekommen, damit die digitale Kluft überwunden werden kann.

In Österreich haben Kinder mit Migrationshintergrund ein deutlich höheres Risiko, in der Schule unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Zuletzt gab es zwar Fortschritte, aber die Kinder aus Migrantenfamilien liegen beim Pisa-Lesetest im Schnitt immer noch rund ein Schuljahr hinter Kindern, deren Eltern in Österreich geborenen wurden. Mehr Geld für Schulen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund entspricht unseren Empfehlungen, die finanziellen Ressourcen entsprechend den sozialen Herausforderungen einzusetzen. Damit haben auch Schulen, die stets gute Ergebnisse erreichen, einen Anreiz, sich um eine heterogenere Schülerschaft zu bemühen. Andere Länder haben mit diesem Ansatz gute Erfahrungen gemacht. Er sollte allerdings mit mehr Schulautonomie und einer Stärkung der Schuldirektoren einhergehen. Was den Einsatz von Tablets betrifft: Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht gelegentlich Computer verwenden, schneiden besser ab als Schüler, die das nicht tun. Wenn Schüler allerdings dauerhaft mit Computern arbeiten, sinkt der Lernerfolg wieder. Die Technologie muss Lehrer und Schüler unterstützen und nicht von der wichtigen Lehrer-Schüler-Beziehung ablenken.

Eine weitere Maßnahme des "Plan A" sind flexiblere Arbeitszeiten, ein 12-Stunden-Tag soll etwa ermöglicht werden.

Arbeit in einer globalisierten, digitalisierten Welt verlangt nach flexibleren Arbeitszeiten, freilich unter Berücksichtigung der Interessen und der Gesundheit der Arbeitnehmer. Wir begrüßen die Maßnahme und sind ziemlich sicher, dass die österreichischen Sozialpartner für sinnvolle Regeln im Detail sorgen werden.

Im "Plan A"-Papier wird ein Konzept für lebenslanges Lernen vorgestellt.

In unserer digitalisierten Welt ist lebenslanges Lernen unerlässlich. Es geht um die Verarbeitung von Informationen, Selbstdisziplin und die Fähigkeit zur Problemlösung. Arbeitnehmer brauchen diese Grundfähigkeiten, um flexibel auf neue Anforderungen reagieren zu können. In Österreich gibt es bei Erwachsenenweiterbildung Nachholbedarf. Derzeit kommen diese Angebote vor allem vom Arbeitsmarktservice und erreichen vor allem Arbeitslose. Dabei sind nur fünf Prozent der Geringqualifizierten arbeitslos, der Rest ist entweder beschäftigt (62 Prozent) oder ist nicht aktiv (33 Prozent) und kann deshalb von diesem Angebot nicht profitieren. Arbeitgeber wiederum investieren vor allem in die Weiterbildung Höherqualifizierter. Menschen mit niedriger Qualifikation laufen deshalb Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten, in dem sie keine Möglichkeit zur Fortbildung erhalten und Beschäftigungschancen sich immer weiter verschlechtern. Mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung für Geringqualifizierte sollte deshalb oben auf der Tagesordnung stehen.