Will ein Auftraggeber, dass seine Werbung nicht auf bestimmten Seiten erscheint, ist er jedoch nicht machtlos. Er kann nämlich sogenannte Blacklists definieren, entsprechende Portale werden dann für Werbung gesperrt. Sowohl Rewe als auch Lutz-Gruppe und Hofer haben Breibart mittlerweile auf die Blacklist gesetzt.

Die "Wiener Zeitung" stieß im Zuge ihrer Recherchen auf weitere prominente Werber. Fast alle gingen auf Distanz zu Breitbart: Die Kapitalanlagegesellschaft Pioneer Investments, eine Tochter der UniCredit, zu der wiederum die Bank Austria gehört, hat Breitbart von der aktuellen Kampagne "wie auch von möglichen zukünftigen Kampagnen ausgeschlossen. Dies entspricht unserem Zugang, darauf zu achten, dass die Platzierungen unserer Online-Werbungen mit unseren Werten übereinstimmen."

"Wir haben selbstverständlich die Kampagne gestoppt und möchten zum Ausdruck bringen, dass Metro sich selbstverständlich davon mit Nachdruck distanziert", lässt die Österreich-Tochter der Großmärkte wissen. Auch die Österreich-Tochter des Versicherungskonzerns Allianz will nichts mehr mit Breitbart zu tun haben: "Wir haben sofort reagiert, um die Schaltung stillzulegen. Die Website wurde auf die Blacklist gesetzt. Wir distanzieren uns von der Haltung und den Werten, die über diese Website vermittelt werden." Auf Werbung für seine Kameras auf Breitbart verzichtet künftig auch Nikon Österreich, "da Nikon in keinster Hinsicht politisch motivierte Werbung schaltet". Die Österreich-Tochter von Pharmariese Merck hat seine "Media Agentur gebeten, die Werbung dort einzustellen. Die Internetseite entspricht nicht dem Umfeld, in dem wir uns mit unserer Werbung bewegen möchten". "Bei Dassault Systèmes (DS) und unserer Marketing-Agentur steht dieses Portal seit längerem auf der Blacklist", sagt die Sprecherin des Software-Entwicklungsunternehmens, das zum gleichnamigen französischen Mischkonzern gehört. "Allerdings nutzt unsere Agentur ein Werbesystem eines Anbieters, das auf dieses Portal leitet. Im Hintergrund arbeitet dieser Anbieter bereits an einem Algorithmus, der dies künftig verhindern soll", so DS. Die Sprecherin der renommierten Hochschule Collège d’Europe, die auf Europathemen spezialisiert ist, gibt sich zerknirscht. Breitbart sei eine "rassistische" Webseite. Die Anzeige werde durch die Werbefirma entfernt, so etwas "sollte in Zukunft nicht mehr passieren".

Weiters landete Breitbart auf der Blacklist des Lebensmitteldiscounters Lidl Österreich, der Österreich-Tochter der Deutschen Telekom - die Sperrung gilt für T-Mobile als auch tele.ring -, der Luxemburger Direktbank Advanzia sowie bei Nissan Österreich.

Schweigsame Porsche Holding

Da die Online-Werbung zielgruppenspezifisch erscheint, ist ein kompletter Überblick über heimische Werber beziehungsweise österreichische Tochterunternehmen auf Breitbart nicht möglich. Die "Wiener Zeitung" fragte daher die sieben weiteren größten Werber des gesamten Marktes - von Print- und TV- bis zur Plakatwerbung - nach deren Position zu Breitbart. Die Top Ten vereinigten von 3,47 Milliarden Euro Bruttowerbewert 620 Millionen Euro (18 Prozent) auf sich. Die Telekom Austria, Nummer acht, und mit den Marken A1, Bob und Yess vertreten, hat "nie bewusst elektronische Werbemittel auf breitbart.com geschalten. Wir können leider nicht ausschließen, dass einzelne Kampagnen via Vermarkternetzwerke auch dort zu sehen waren." Dafür hat die Telekom früher als andere Konzerne reagiert und laut eigener Darstellung Breitbart bereits am 14. Dezember vergangenen Jahres auf die Blacklist gesetzt. Zudem habe Telekom Austria die Buchung von breitbart.com via Vermarktungsnetzwerken auch für sämtliche Tochterunternehmen in Zentral- und Osteuropa gestoppt. "Wir führen keine Blacklists", schreibt der Marketing-Chef der Raiffeisen Bank International, "weil wir nur in Medien werben, die von Relevanz für unser Zielpublikum sind und mit unserem Code of Conduct vereinbar sind." Der gesamte Raiffeisenverband, Geld und Finanzdienstleistungen, Ware und Milch eingeschlossen, ist der fünftgrößte Werber des Landes. Spar, Nummer zwei, hat Breitbart "aktuell in unserem Netzwerk auf die Blacklist setzen lassen". Die Werbepartner des siebentgrößten Werbers Kika/Leiner hätten "das Portal bereits seit langem auf ihrer Blacklist".

Keine Stellungnahme gaben Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (Ariel, Gillette, Pampers etc.), Süßwarenhersteller Ferrero, (unter anderem Kinder-Schokolade, Rocher, Tic Tac) sowie die Österreichischen Lotterien ab. Sie kamen zusammen auf 158,5 Millionen Euro-Bruttowerbewert.

Zu den zehn größten Online-Werbern, die nicht in der Statistik der Top-Ten-Werber für den gesamten Werbemarkt vertreten sind, zählen noch drei Autofirmen. Keine Antwort gibt die Porsche Holding, größtes Autohandelsunternehmen Europas. "Breitbart.com ist auf der Blacklist, sowie viele politisch einschlägige Seiten auch", schreibt hingegen Renault. Bei Ford stehe Breitbart auf der Blacklist. Der US-Konzern setzte diesen Schritt auch, da "durch steigende Bekanntheit des Portals die Zugriffe von österreichischen Usern künftig wachsen könnten".

Schönborn falsch zitiert

Wachsen könnte Breitbart in Österreich auch infolge der angekündigten Expansion im Zuge der Wahlen in Frankreich und Deutschland. Bereits jetzt ist Österreich kein blinder Fleck auf Breibarts Landkarte. So wurde ein "Krone"-Interview mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn rezitiert. Wie unseriös Breitbart berichtet, zeigt der Titel des Artikels: ",Nächster Papst‘ sagt, Trump könnte wie ,bester Präsident‘ Reagan sein." Tatsächlich bemerkt Schönborn bloß, Reagan sei einer der besten US-Präsidenten gewesen. Und für die These des "nächsten Papstes" verweist Breitbart auf einen "Kurier"-Artikel - der kurz vor der Wahl Franziskus’ 2013 erschien.