Wien. Der am Freitag festgenommene Terrorverdächtige ist nicht der erste Fall in Österreich. Erst am Montag ist ein 23-jähriger Mann im Wiener Landesgericht für Strafsachen wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung und einer kriminellen Organisation zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden.

Die meisten Terrorismus-Verurteilungen erfolgen in Österreich wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung (Paragraph 278b Strafgesetzbuch). 2016 kam es deshalb zu 36 Verurteilungen. Insgesamt ist die Zahl der einschlägigen Verfahren, Anklagen und Verurteilungen auf Rekordniveau angewachsen: 49 Verurteilungen gab es im Vorjahr. Wegen Terrordelikten in Haft saßen am 1. Jänner 54 Personen, 33 davon in U-Haft.

Laut Anklage wollte sich der am Montag verurteilte 23-Jährige in Syrien der radikalislamistischen Jabhat Fatah al-Sham anschließen, die früher als Nusra-Front bekannt war, und sich an Kampfhandlungen beteiligen - er wurde im Juli 2016 von der türkischen Polizei an der Grenze zu Syrien aufgegriffen und nach Österreich abgeschoben. Der junge Mann stammt ursprünglich aus Pakistan, kam im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern nach Österreich und hat die österreichische Staatsbürgerschaft. 2013 flog er nach Pakistan, wo er elf Monate lang eine Koranschule besuchte. Danach wandte er sich in Wien einer fundamentalistischen Glaubensauslegung zu.

Bereits vor rund zehn Jahren hat der Radikalislamist Mohamed M. die Schlagzeilen dominiert. Der in Wien geborene Sohn ägyptischer Einwanderer gilt als Radikalislamist, der auch Einfluss auf Salafisten in Österreich und Deutschland ausübt. Er sorgte mit Hasspredigten, Drohvideos und seiner offenen Propaganda für den Heiligen Krieg für Aufsehen. Wegen Bildung und Förderung einer terroristischen Vereinigung wurde M. im März 2008 - und nach Aufhebung des Urteils wegen eines Formfehlers erneut im Februar 2009 - im Zuge des "Wiener Terror-Prozesses" zu vier Jahren Haft verurteilt.

Seine Frau Mona S. erhielt eine 22-monatige Haftstrafe. Beide bekannten sich "nicht schuldig". Nach Verbüßung der vollständigen Strafe veröffentlichte Mohamed M. weitere Videos unter dem Pseudonym "Abu Usama al-Gharib", bevor er sich im Herbst 2011 nach Deutschland absetzte. Zu Österreich brach Mohamed M. die Brücken ab. Später soll er im syrischen Palmyra an der Ermordung von insgesamt neun Menschen beteiligt gewesen sein. Ein im August 2015 veröffentlichtes Video zeigt ihn, wie er einen vor ihm knieenden Mann erschießt, gegen Mohamed M. wird in Österreich deswegen wegen Mordes ermittelt. Dass der Extremist überhaupt noch am Leben ist, wird aber bezweifelt.

Der mutmaßliche Dschihadist Mirsad O. wurde im Juli 2016 im Grazer Straflandesgericht zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er soll als Prediger Männer zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) vermittelt haben. Mirsad O. alias Ebu Tejma soll dafür verantwortlich sein, dass immer wieder junge Männer von Österreich nach Syrien gingen, sich dem IS anschlossen und zum Teil starben. Ein weiterer Angeklagter, der Tschetschene Mucharbek T., soll selbst in Syrien an Massakern beteiligt gewesen sein.

Ein weiterer Fall betrifft einen damals 16-jährigen IS-Heimkehrer. Der Wiener ohne Migrationshintergrund wurde zu zweieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Er war 2014 zum Islam konvertiert und hatte sich radikalisiert.