Wien. (ede) Wenn der Winter weiterhin so kalt bleibt, müssen Verbraucher beim Heizen mit deutlich höheren Kosten rechnen als im Vorjahr - was insbesondere "energiearme" Haushalte betrifft. Das sind in Österreich rund 117.000 armutsgefährdete Haushalte, die überdurchschnittlich viel für Heizung, Warmwasser, Kochen und Licht ausgeben.

Laut einer Studie der Statistik Austria geben von Energiearmut betroffene Haushalte 22,8 Prozent ihres Einkommens - das ist fast jeder vierte Euro - für Wohnenergie aus. Zum Vergleich: Ein österreichischer Durchschnittshaushalt kommt im Schnitt nur auf 4,6 Prozent. Vom gesamten Energieverbrauch energiearmer Haushalte entfällt zudem der Großteil auf das Heizen. Es wird auch deutlich häufiger Heizöl eingesetzt und das oft in älteren Wohngebäuden. Personen in energiearmen Haushalten sind auch durchschnittlich älter als nicht-energiearme und es handelt sich zu zwei Drittel um Single-Haushalte.

Die Regulierungsbehörde E-Control verweist darauf, dass einkommensschwache Haushalte, die Anspruch auf die Befreiung von den GIS-Gebühren haben, auch teilweise von den Ökostromkosten befreit sind. Dies werde jedoch noch zu wenig in Anspruch genommen. Über diese Möglichkeit und über Energiesparmaßnahmen will die E-Control nun stärker informieren.

Die Arbeiterkammer (AK) fordert im Zusammenhang mit Energiearmut mehr Transparenz und eine stärkere Regulierung des Markts für Nah- und Fernwärme. Mittlerweile werde österreichweit fast jede vierte Wohnung (24 Prozent) mit Nah- oder Fernwärme versorgt. Die Preisgestaltung sei aber intransparent, und es fehle Wettbewerb in der Branche, kritisiert die Arbeiterkammer.

AK: "Ungleichbehandlung
von Energiekonsumenten"


Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorger betonte daraufhin, dass viele große Fernwärme-Versorger an (Höchst-)Preisbescheide der gesetzlich vorgesehenen Preisbehörden gebunden seien. "Von den insgesamt 930.000 versorgten Wohnungen unterliegen etwa die Hälfte einer staatlichen Preisregulierung", so Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbandes, in einer Aussendung. Dass es keinen Wettbewerb gibt, weist er zurück.

Die Arbeiterkammer kritisiert weiters, dass es für Wärmekunden - im Gegensatz zu Strom- und Gaskunden keine Schutzregeln bei finanziellen Schwierigkeiten gebe. "Diese Ungleichbehandlung von Energiekonsumenten ist nicht zu rechtfertigen", sagt Dorothea Herzele, AK-Energieexpertin. "Für Mahngebühren können bis zu 15 Euro anfallen, kommt es zur Abschaltung, kann das bis zu 148 Euro kosten." Der Fachverband betont, dass eine Absperrung nur die Ultima Ratio sei, "wenn alle Versuche einer Klärung gescheitert sind". Ombudsteams würden sich um Härtefälle bemühen.