Wien. Der russische Präsident Wladimir Putin zieht sich in Europas rechten und rechtsextremen Parteien Freunde heran, um der EU massiven Schaden zuzufügen. Das beschreiben der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon und "Wiener Zeitung"-Redakteurin Eva Zelechowski in ihrem Buch "Putins rechte Freunde. Wie Europas Populisten ihre Nation verkaufen". Beispiele dafür seien etwa die Finanzierung des Front National in Frankreich, indirekte russische Unterstützung für die AfD in Deutschland oder die Energieinvestitionen in Ungarn. Der FPÖ wird allerdings keine Finanzierung aus Russland vorgeworfen.

Das Sachbuch über die Verbindungen zwischen Europas Rechten und dem Kreml ist seit 20. Februar über den Falter-Webshop erhältlich. - © Falter
Das Sachbuch über die Verbindungen zwischen Europas Rechten und dem Kreml ist seit 20. Februar über den Falter-Webshop erhältlich. - © Falter

Auch wenn die rechtsextreme Marine Le Pen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Mai nicht gewinne, habe Russland Frankreich ohnehin schon gewonnen, denn auch François Fillon wird eine Nähe zu Putin nachgesagt. Immerhin wird am Ende des Buches ein Hoffnungsschimmer geweckt, indem darauf vertraut wird, dass die Menschen in Russland irgendwann damit aufhören, "ihr Schicksal zu erdulden und werden sich gegen einen Präsidenten, der ihr Land zugrunde richtet zur Wehr setzen".

Die "Wiener Zeitung" bringt im Folgenden Auszüge aus dem Buch, das Donnerstag Abend präsentiert wird.

Die autoritäre Allianz

2017 befindet sich der Westen in einem Umbruch, bei dem kein Stein auf dem anderen bleiben könnte: Rechtsradikale, autoritäre Parteien treiben die Regierungen vor sich her und greifen nach der Macht. In diesem Jahr wird erst Donald Trump angelobt, dann der Brexit eingeleitet, danach in den beiden größten EU-Staaten, Frankreich und Deutschland, gewählt. Beide Wahlen haben nicht nur einen hohen Symbolwert, sondern werden die Union grundlegend verändern. Der Front National und die Alternative für Deutschland werden die Macht wohl nicht erringen, aber inhaltlich die Richtung bestimmen und die Weichen stellen.

Noch weiter könnte der Rechtsruck in Österreich gehen: Da rechnen Beobachter ebenfalls mit vorgezogenen Wahlen 2017 - und seit langem liegt die rechtsextreme FPÖ in allen Umfragen auf dem ersten Platz. Heinz-Christian Strache könnte das Land auf einen autoritären, nationalkonservativen, europafeindlichen Kurs drehen, ganz wie Viktor Orbán es im Nachbarland Ungarn vorgezeigt hat. Einen Mann freuen diese Verwerfungen besonders: Wladimir Putin, den Präsidenten Russlands. Er hat viel investiert in diese Entwicklung. Seit über einem Jahrzehnt finanziert und fördert er nationalautoritäre Parteien in ganz Europa, vernetzt sie untereinander und betreibt ein gewaltiges Propaganda- und Desinformationsnetzwerk, um sie medial in ihren "Vaterländern" zu unterstützen.

Putin und seine rechtsradikalen Freunde eint eine gemeinsame Vision: eine weiße, christliche, "reinrassige" Heimat, in der sich die Nationen nicht mischen, in der Frauen die Kinder großziehen und Männer das Sagen haben, in der man sich an Traditionen orientiert und klare Kommandos gelten: Der starke Mann schafft an (auch wenn er Marine oder Frauke heißt, das Rollenbild wird trotzdem nie infrage gestellt). Dieses Reich der weißen Christen soll von Lissabon bis nach Wladiwostok reichen und eine Weltmacht sein.

Putins heißestes Eisen

Verstärkt lechzen Strache und der Wiener FP-Chef Johann Gudenus seit 2014 nach jener Anerkennung, die ihnen außerhalb der Wiener Grenzen niemand entgegenbringen will. Sie werfen sich dabei selbst jenen abstrusen russischen Großreich-Visionären an die Brust, die eine Zerschlagung Österreichs durchaus als wünschenswertes Szenario sehen. Das sagte zumindest Strache-Bekannter und Eurasien-Theoretiker Alexander Dugin in einem Interview mit der ungarischen, Jobbik-nahen Website "Alfahir" im Jänner 2015 und erklärte, dass er Länder wie Österreich, Ungarn, Rumänien oder Serbien auflösen würde. Sie sollten eine Einheit bilden, dann wären "in ethnischer Hinsicht die Verhältnisse von Trianon wiederhergestellt". Dieses "mächtige Osteuropa" würde dann als eine Art Puffer zwischen der von Russland geführten "Eurasischen Union" und dem "germanischen Europa" fungieren. Inwiefern diese dreisten Eurasien-Spinnereien und größenwahnsinnigen Fantasien der FPÖ-Parteilinie entsprechen, ist nicht überliefert. Dazu schweigt die FPÖ dann lieber.

Wie sehen die Vorteile einer solchen Allianz ganz konkret aus? Stichwort Krim-Annexion, ein Service für den Kreml: "Wir sind von unserer Neutralität überzeugt und bekommen dafür weder finanzielle Zuwendungen noch Kredite", betonte Heinz-Christian Strache im November 2014. Der FPÖ-Chef war gerade von einer Konferenz zum Thema "Vertrauenskrise in Europa" aus dem winterlichen Moskau zurückgekehrt, von der er selbst Fotos auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Mit dabei waren auch Johann Gudenus und zwei weitere FPÖ-Politiker. Ihr nahes Verhältnis zum Kreml haben die Freiheitlichen damals noch heruntergespielt, obwohl sich Hinweise auf das Liebäugeln EU-kritischer Parteien mit dem russischen Präsidenten seit Jahren häuften.