Wien. Symbolträchtiger könnte der Tag der Entscheidung nicht sein: Nun ist es endgültig fix, Pamela Rendi-Wagner übernimmt den Posten als Gesundheits- und Frauenministerin und folgt auf die verstorbene Sabine Oberhauser. Die frühere Sektionschefin im Gesundheitsministerium wird neben Sonja Hammerschmid und Sophie Karmasin die dritte Ministerin und neben Staatssekretärin Mona Duzdar das vierte weibliche Mitglied in der 16-köpfigen Bundesregierung. Der Rest: Männer.

25 Prozent beträgt also der Anteil weiblicher Ressortleiter auf Bundesebene. In Bundeskanzler Christian Kerns vieldiskutiertem "Plan A" für Österreich ist  gleiche Lohnverteilung und die Frauenquote ein Thema. Es wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass der Frauenanteil in Leitungsfunktionen des Bundesdienstes bei 34,5 Prozent liegt. Auch auf Gemeinde- Landes- und Bundesebene sind Frauen noch immer deutlich in der Minderheit. Eine Bundeskanzlerin - wie beim Nachbarn Deutschland - gab es hierzulande noch nie. Ebenso standen an der Staatsspitze bisher lediglich Männer.

Doch fangen wir auf der untersten Ebene an. Von den 2100 Gemeinden in Österreich haben 157 eine Frau zum Vorsitz. Das sind nur 7,5 Prozent. Den höchsten Anteil an weiblichen Gemeinde-Chefs weist Niederösterreich mit 63 - von insgesamt 573 - auf, gefolgt von Oberösterreich mit 30 und der Steiermark mit 17. Schusslicht ist Salzburg mit gerade einmal vier Bürgermeisterinnen bei 119 Kommunen. Sonja Ottenbacher ist eine von ihnen, sie ist seit zwölf Jahren Bürgermeisterin von Stuhlfelden. Hier geht es zur Geschichte.

Die erste Bürgermeisterin gab es in Österreich 1948: Zenzi Hölzl stand für die SPÖ zehn Jahre an der Spitze der Gemeinde Gloggnitz in Niederösterreich. Elisabeth Feichtinger (SPÖ) dürfte mit 28 Jahren die aktuell jüngste Bürgermeisterin Österreichs sein. Sie ist Stadtchefin in Altmünster (Bezirk Gmunden).

Laut Gemeindebund hat sich die Zahl der Bürgermeisterinnen zwar in den vergangenen 18 Jahren mehr als verdreifacht, allerdings von einem sehr geringem Ausgangsniveau. Gemeindebundchef Helmut Mödlhammer (ÖVP) will den Frauenanteil deshalb erhöhen. Bei den Vizebürgermeisterinnen sieht die Bilanz etwas besser aus: 331 Frauen sind in einer Gemeinde Nummer Zwei.

Was laut Gemeindebundsprecher Daniel Kosak auffällig sei, ist, dass es bei weiblichen Bürgermeistern deutlich häufiger Amtsleiterinnen gibt. Von 2100 Amtsleitern sind von Bregenz bis Wien 469 weiblich. Von den 39.731 Gemeinderäten sind 9163 weiblich - also rund ein Viertel.

Auf Landesebene dominieren männliche Abgeordnete die Landtage. Den
höchsten Frauenanteil hat der steirische Landtag mit 40 Prozent, die
wenigsten Volksvertreterinnen sitzen in der burgenländischen
Legislative. Dort beträgt der Anteil nur 21 Prozent. Seit Beginn der Zweiten Republik regierten erst zwei Frauen ein Bundesland. Waltraud Klasnic (ÖVP) lenkte als Pionierin von 1996 bis 2005 die Geschicke der Steiermark. In Salzburg war von 2004 bis 2013 die Landesspitze mit Gabi Burgstaller (SPÖ) weiblich. Bald wird die dritte Landeshauptfrau in der Geschichte Österreichs angelobt: Johanna Mikl-Leitner folgt am 19. April auf Erwin Pröll (beide ÖVP).

Frauen als gewählte Volksvertreterinnen gibt es in Österreich seit bald hundert Jahren. Am 12. November 1918 wurde das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht in der Verfassung verankert. Bei der Nationalratswahl 1919 erhielten acht Frauen ein Mandat und zogen in das Parlament ein. Der Anteil weiblicher Abgeordneter stagnierte bis etwa 1971, erst danach stieg er kontinuierlich an.

Derzeit sind von den 183 gewählten Volksvertretern 56 Frauen -  ein Anteil von 30 Prozent. Den höchsten Anteil an weiblichen Abgeordneten hat Ruanda: Dort haben Frauen 49 der 80 Parlamentssitze. Erste Frau an der Spitze des Nationalrates war 2006 Barbara Prammer (SPÖ). Nach ihrem Ableben am 2. August 2014 folgte ihr Doris Bures in dieser Position nach. Im Bundesrat sind 19 von 61 Mitgliedern weiblich (31,15 Prozent). Mit Sonja Ledl-Rossmann und Ingrid Winkler sitzen zwei Frauen im dreiköpfigen Bundesrats-Präsidium.

Nachholbedarf besteht auch noch an der Repräsentation Österreichs im Ausland. Derzeit sind in 88 besetzten Botschaften (vier sind unbesetzt), ständigen Vertretungen und Generalkonsulaten 29 Frauen an der Spitze – rund 33 Prozent. In Bern ist etwa die frühere Außenministerin Ursula Plassnik Botschafterin, oberste Diplomatin in Peking ist Irene Giner-Reichl und in Argentinien repräsentiert Karin Proidl die Republik. Laut Außenministerium will man den Anteil von Botschafterinnen erhöhen. Auf eine konkrete Zahl hat man sich im Ressort jedoch nicht festgelegt.

2017 sei jedoch das Verhältnis der Personen, die in den diplomatischen Dienst einsteigen, jedoch fast 50:50. Sieben Frauen und acht Männer beginnen ihre diplomatische Laufbahn im Außenministerium.

Botschafter werden zuerst vom Außenminister vorgeschlagen. Danach geht der oder die Kandidat(in) durch ein internes Begutachtungsverfahren, bevor der Ministerrat zustimmt. Die Ernennung erfolgt durch den Bundespräsidenten.